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Lagarde äußert Mitgefühl

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Lagarde äußert Mitgefühl

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Mit scharfer Kritik hat Athen auf Äußerungen der IWF-Chefin Christine Lagarde reagiert. Sie habe „die Griechen beleidigt“, sagte der Vorsitzende der Sozialisten, Evangelos Venizelos.

Lagarde hatte die Griechen in einem Interview aufgefordert, ihrer Steuerpflicht nachzukommen.

Evangelos Venizelos, Vorsitzender der PASOK:

“Was den Ton von Frau Lagarde angeht, meine ich, er ist nicht akzeptabel, aggressiv. Es gab eine Menge Reaktionen, auch im Internet, und Frau Lagarde war gezwungen, einen Rückzieher zu machen. Und ich bin froh darüber, weil das zeigt, dass sie die Reaktion eines stolzen Landes und eines stolzen Volkes achtet.”

Als Finanzminister hatte Venizelos eine „Liste der Schande“ veröffentlicht: mehr als 4000 Namen von Griechen, die dem Fiskus zusammen knapp 15 Milliarden Euro schulden.

Auch Jean-Luc Mélenchon, Präsidentschaftskandidat der französischen Linksfront, geht es eher um den Tonfall als um die tatsächlichen Außenstände.

Jean-Luc Mélenchon, Linksfront (Frankreich):

“Woher nimmt sie das Recht, so zu den Griechen zu sprechen? Was weiß diese Frau über die Situation der Griechen? Warum sagt sie nicht, dass es die griechischen Reeder sind, also die Kapitalisten, die ihre Steuern nicht zahlen. Oder die orthodoxe Kirche. Die braven kleinen Leute zahlen ihre Steuern. Das sind nach meiner Meinung unwürdige Bemerkungen. Und wenn es so etwas gäbe wie politische Moral, dann sollte Lagarde ihren Posten verlassen.”

Sie habe Mitgefühl angesichts der einschneidenden Sparmaßnahmen, erklärte Lagarde den Griechen nach dem allgemeinen Aufschrei.

Den Steuerzahlappell nahm sie nicht zurück. Denn insgesamt konnte der griechische Fiskus bisher bei knapp 15 000 griechischen Steuerzahlern rund 42 Milliarden Euro nicht eintreiben – mehr als das Doppelte des Haushaltsdefizits im vergangenen Jahr.

mit AFP, Reuters, dpa