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Stefan Lehnert, der Erfinder luftgefüllter Dach- und Fassadensysteme


Sci-Tech

Stefan Lehnert, der Erfinder luftgefüllter Dach- und Fassadensysteme

Man stelle sich vor: Ein urwüchsiger Regenwald mit über 17 Tausend tropischen Pflanzen und 300 exotischen Tieren, all das unter einem Dach. Die Tropenerlebniswelt gibt es wirklich, im Zoo Leipzig. “Gondwanaland” heißt die 16.500 Quadratmeter große Struktur und beheimatet seltene Arten aus Asien, Afrika und Südamerika.
In dem riesigen Tropenhaus kann man kaum atmen. Die Temperatur liegt bei konstant 24 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit beträgt 95 Prozent.
Möglich ist das tropische Mikroklima dank einer ausgeklügelten Dachverkleidung aus luftgefüllten Folienkissen. Dabei handelt es sich um ein extrem leichtes, flexibles, aber auch widerstandsfähiges Material, ganz nach dem Motto: Luftkissen statt Glas. Hinter dem innovativen System, das bereits 2002 auf den Markt kam, steckt der Deutsche Stefan Lehnert. Wie kam er auf die großflächigen und lichtdurchlässigen Gebäudehüllen ?

“Wie bei allen vernünftigen Erfindungen handelt es sich um ein wirklich simples Produkt. Wir verwenden einen extrem langlebigen Kunststoff. Damit meine ich eine Haltbarkeit zwischen 50 und 100 Jahren ohne Zersetzungserscheinungen. Die Kammern zwischen den Folien füllen wir mit Luft, diese sorgt für die isolierende Wirkung. Das System hat außerdem feuerbeständige Eigenschaften. Dann ist da noch die selbstreinigende Wirkung, der Schmutz wird vom Regen fort gewaschen.”

Die Luft zwischen den Kunstofffolien wird von der Sonne erhitzt, dadurch steigt die Temperatur im Inneren des Doms, das hilft Heizkosten sparen. Lehnerts Dach- und Fassadensysteme haben sich inzwischen weltweit durchgesetzt und ermöglichen innovative architektonische Projekte, zum Beispiel der Khan Shatyr Dom in Astana, in Kasachstan. Die waghalsige Struktur widersteht extrem niedrigen Temperaturen. Ein anderes Bespiel ist das Nationale Schwimmzentrum in Peking. Die Luftkissenfassade schützt vor der starken Umweltverschmutzung in der chinesischen Metropole.

Der 62-jährige Stefan Lehnert ist zwar Bremen ansässig, verbringt jedoch den größten Teil des Jahres unterwegs. Sein Unternehmen hat Zweigstellen in der ganzen Welt. Wir treffen den rastlosen Reisenden in Leipzig.
Lehnert ist für den Europäischen Erfinderpreis nominiert, der Anfang Juni vom Europäischen Patentamt in Kopenhagen vergeben wird. Auf die Frage, er neue Grundlagen für die Architektur eröffnet habe, antwortet Lehnert: “Wir haben Architekten eine äußerst simple und ökonomische Methode zur Verfügung gestellt, um große Strukturen zu schaffen, in denen man Pflanzen und Tiere unterbringen kann, unter einem Dach, in einem angemessenen Umfeld, ganz ohne Pestizide oder andere chemische Mittel.”

Die Tropenerlebniswelt im Zoo Leipzig ist eines seiner jüngsten Projekte. Stefan Lehnert hat bereits viele neue Ideen. “Wenn Sie mich nach der Zukunft dieser Technologie befragen, ich habe keine Ahnung. Heute bauen wir Gebäude, von denen wir vor fünf Jahren nicht einmal geträumt hätten. Ich kann Ihnen nicht sagen, wozu wir in fünf Jahren imstande sein werden.”

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