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Friedensreiches Astana?

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Friedensreiches Astana?

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In der kasachischen Stadt Astana machen sich tausende Menschen auf, um gemeinsam Antworten auf Fragen der Menschheit zu finden. Zwei Tage lang ist Astana für viele Menschen das Zentrum der religiösen Welt. Die Teilnehmer dieser Konferenz haben eine gemeinsame Vision – sie wollen Wege zur Harmonie und Eintracht in der Welt finden.

Der pyramidenförmige Palast des Friedens und der Hamonie ist Veranstaltungsort des vierten Kongresses der Führungspersönlichkeiten der traditionellen Weltreligionen. Die moderne Archtiketur steht im scharfen Kontrast zur Oppulenz der russisch-orthodoxen Kirche im Stadtzentrum, in der der Eröffnungsgottestdienst der Konferenz stattfand.

Mehr als 360 Abgeordnete aus 47 Ländern sind gekommen, um sich auszutauschen. Thema der Veranstaltung: Frieden und Eintracht als Weg der Menschheit. Die Teilnehmer waren sich einig, dass Spiritualität ein wichtiger Baustein für die Lösung der Probleme unserer Welt ist.

“Mein Traum ist der Auffbau einer Organisation, ähnlich den Vereinten Nationen, die die Führer der Religionen aus allen Ländern der Welt zusammenbringt”, sagt Israels Oberrabiner Yona Metzger. “Dann wird es sogar zwischen Ländern Kontakt geben, die sonst gar keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.”

Während des Kongresses wurde auch über die Rolle beraten, die religiöse Führungspersönlichkeiten bei der Sicherung eines nachhaltigen Wachstums spielen könnten. Und eine andere Frage bewegte die Teilnehmer: Wie kann den Menschen in der aktuellen Wirtschaftskrise geholfen werden?

Nick Baines, Bischof von Bradford, beobachtet einen Sinneswandel in der Bevölkerung: ”Die Wirtschaftskrise hat viele Menschen die Frage stellen lassen: Wozu das alles? Was kümmert uns all das, und was macht das Leben wirklich aus? Worin bestehen unsere Werte? Wir müssen klären, wovon wir uns morgen ernähren sollen, ja, aber eben auch diese existenzielleren Fragen stellen sich. Darum geht es uns hier.”

Der bereits seit 22 Jahren regierende kasachische Präsident, Nursultan Nasarbajew, hat den Kongress ins Leben gerufen. Seiner Meinung nach ist sein Land mit gutem Beispiel vorangegangen: “Bei uns leben Menschen aus 140 Nationen, die 46 verschiedenen Glaubensrichtungen angehören. In Astana gibt es Synagogen, Moscheen, Tempel und Kirchen. Bei uns herrscht Religionsfreiheit. Außerdem ist Kasachstan ein Vorbild der atomaren Abrüstung.”

Die Grundlage der heutigen Bevölkerungsstruktur Kasachstans legte der russische Diktator Joseph Stalin in den 1930er Jahren, als er Millionen Menschen, ethnische Juden und Tschetschenen, in die lebensfeindiche Steppe schickte. Die Kasachen vermischten sich mit den Nachkommen der überlebenden Deportieren. Eine Mischehe führen heute auch Almira Isakova–Lee und ihr Mann Alexander. “Ich bin Kasachin, er ist Koreaner und trotzdem sind wir zusammen”, sagt Almira. “Unsere Unterschiede haben uns nicht von der Ehe abgehalten. Wir kochen auch koreanisch und kasachisch. Es zählt wohl doch mehr der Charakter als das Glaubensbekenntnis.”

Der Kongress der Religionen in Astana klingt bei einem farbenprächtigen Konzert aus. Sicherlich denken die Teilnehmer dabei an die Zukunft. Aber die Kasachen leben auch gern im Hier und Jetzt. Das Nachtleben von Kasachstan zeigen wir Ihnen in der nächsten Ausgabe von Kasakh Life.