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Thronjubiläum: Premier Cameron über die wöchentlichen Besuche bei der Queen

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Thronjubiläum: Premier Cameron über die wöchentlichen Besuche bei der Queen

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Die Briten feiern das diamantene Thronjubiläum ihrer Königin Elizabeth II.. Höhepunkt war am Wochenende die große Schiffsparade auf der Themse in London – mit rund 1000 Booten und Schiffen.

Mit dem Schiffskorso wurde aber nicht etwa die Queen gefeiert. Stattdessen widmete Elizabeth das Spektakel ihren Landsleuten. Sie setzte damit fort, was sie vor 60 Jahren bei ihrer Thronbesteigung versprochen hatte: Königin im Dienste des Volkes sein zu wollen.

Noch am Todestag ihres Vaters Georg VI., am 6. Februar 1952, wurde Elizabeth als Königin ausgerufen. Damals war sie 26 Jahre alt. Ihre Krönung fand dann 16 Monate später statt, in der Westminster Abbey. Anschließend zog Elizabeth mit ihrem Ehemann, Prinz Philipp in den Buckingham Palace.

Königin Elizabeth ist das am weitesten gereiste Staatsoberhaupt der Geschichte. Immer wieder begab sie sich dabei auch auf heikle Missionen.
So besuchte sie 1986 als erster britischer Souverän das kommunistische China.

Mit ihrem diamantenen Thronjubiläum verkörpert Königin Elizabeth heute für die Briten vor allem Kontinuität in einer von Krisen geprägten Zeit. Vergessen sind da all die Aufs und Abs im Leben Elizabeths. Unter anderem trennten sich drei ihrer Kinder von ihren Ehepartnern. Vor allem die Trennung von Prinz Charles und Diana, Princess of Wales, dürfte wohl die größte Krise im Leben Elizabeths gewesen sein.

Doch bei aller Kritik am Königshaus, die immer wieder laut wird, die Popularität der Queen ist ungebrochen.

Euronews-Reporter Ali Sheikholeslami traf in der Londoner Downing Street Premierminister David Cameron, um mit ihr über die Elizabeth und ihre heutige Rolle zu sprechen.

Ali Sheikholeslami: David Cameron, Sie trafen die Queen das erste Mal, als sie neun Jahre alt waren. Was für ein Gefühl war das und wie ist es, heute ihr Premier-Minister zu sein?

David Cameron: Nun, als ich sie als Neunjähriger traf, habe ich natürlich nicht damit gerechnet, einmal ihr Premierminister zu sein. Ich erinnere mich, dass ich verblüfft war, dass ich die Queen treffen würde. Aber was ich niemals vergessen werde, ist der Moment, als ich Jahre später aus dem Auto stieg, in den Buckingham Palace ging und mich die Queen mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragte. Ich musste ihr sagen, dass es eine Koalitionsregierung sein würde und ich mein Bestes tun würde, eine Regierung zu bilden. Ich würde zurückkommen, wenn es klappt. Glücklicherweise hatte ich Erfolg.

Ali Sheikholeslami: Was bedeutet das diamantene Jubiläum der Queen für Großbritannien? Was ist während dieser Zeit erreicht worden?

David Cameron: Wir haben seit dem viel geschafft. Denken Sie daran, vor sechzig Jahren, das war die Nachkriegszeit. Alles wurde rationiert. Damals gab es viele Probleme. Seit dem hat sich das Land sehr verändert. Meiner Meinung nach feiern wir zwei Ereignisse: Zunächst einmal einen einmaligen, Rekord. Sechzig Jahre auf dem Thron, d.h. Hingabe, Dienen, Einsatz für die Untertanen, das Commonwealth und die Welt. Die Leute erinnern sich kaum an einen nennenswerten Fehltritt in all den Jahren. Aber wir feiern auch die Monarchie an sich. Alle Länder hätten gern diese Kombination aus altehrwürdigen Institutionen auf der einen Seite und Demokratie und Freiheit auf der Anderen. Ich denke, in Großbritannien haben wir da einen guten Mittelweg gefunden. Das ist unsere Art, beides miteinander zu verbinden und ich glaube, die Monarchie hat uns bisher sehr gut gedient. Sie steht über der Politik, sie ist ein Zeichen für die nationale Einheit. Und wie sie sehen, das Thronjubiläum bringt die Menschen zusammen.

Ali Sheikholeslami: Sie treffen die Queen jede Woche. Viele in Großbritannien und im Ausland halten das für eine exzentrische, britische Tradition. Ist sie das?

David Cameron: Nein, das ist es nicht. Das schreibt die Verfassung vor. Denn die Queen ist das Staatsoberhaupt. Der gewählte Premierminister und die Regierung treffen die Entscheidungen. Die Queen ist das Staatsoberhaupt. Es ist sehr wichtig, dass der Premierminister jede Woche die Monarchin trifft, um mit ihm über die aktuellen Probleme und Entwicklungen in Großbritannien und der Welt zu beraten. Und besonders die Queen kann gute Ratschläge geben und sehr zweckdienliche Fragen stellen: Ihr dienten bislang 12 Premierminister, angefangen mit Winston Churchill. Sie hat alles gesehen, alles gehört, ist überall gewesen, kennt jedes Staatsoberhaupt und jeden Regierungschef.

Ali Sheikholeslami: In Kürze beginnen die Olympischen Spiele. Was bedeutet das für London und für Großbritannien?

David Cameron: Es ist ein wichtiges Jahr für Großbritannien. Wir können uns der Welt zeigen. In East-London ist durch die Olympiade beispielsweise ein Gebiet umgestaltet worden, das ziemlich heruntergewirtschaftet war. Aber viel wichtiger ist es, dass wir der Welt zeigen: Schaut her, hier ist ein Land, das zwar in ökonomischen Schwierigkeiten steckt aber wir haben den europäischen Binnenmarkt direkt vor der Tür, wir liegen zwischen den Zeitzonen Amerikas und Japans, wir haben die englische Sprache, die Sprache der Geschäftswelt. Wir haben einige der besten Universitäten der Welt, eine lebendige Geschäftswelt, große Kultur, Kunst, Wissenschaft. Kommt her und schaut es Euch an. Das ist eine Riesen-Chance für Großbritannien. Und ich hoffe natürlich auch, dass die Spiele die Jugendlichen langfristig für den Sport begeistern.