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Die Euro 2012 und der Sextourismus


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Die Euro 2012 und der Sextourismus

Die Europa-Fußballmeisterschaft, auf die sich die Fans schon lange freuen, hat begonnen. Zehntausende haben sich trotz der gepfefferten Preise für eine Unterkunft auf die Reise gemacht, um ihre Lieblingsmannschaften in Polen und in der Ukraine zu unterstützen. Doch es geht nicht allein um Fußball. Auch tausende Prostituierte haben sich vorbereitet. Denn bei den Fans handelt es sich meist um junge Männer, die dem Alkohol und dem Feiern nicht abgeneigt sind. “Prostitution sollte legalisiert werden, damit die Polizei Sex-Arbeiterinnen wie alle anderen Menschen behandeln kann”, sagt eine der Frauen.

Prostitution wird in Polen geduldet, die Zuhälterei aber ist verboten. Man geht von 3 000 bis 22 000 Sex-Arbeiterinnen aus, genaue Zahlen sind unbekannt. In der Ukraine hingegen ist Prostitution verboten, selbst wenn das Verbot nicht wirklich ein Hindernis darstellt. Aufgabe der mehr als 20 000 Sicherheitskräfte ist es zugleich, ein neues Bild des Landes zu vermitteln, das als eine der Drehscheiben für Menschenhandel gilt. Und da gibt es noch ein Problem: Aids. Jede vierte Sex-Arbeiterin in der Ukraine leidet an der Immunschwäche-Krankheit. Die Regierung in Kiew geht davon aus, dass während der EM rund 11 000 Frauen ihrem Gewerbe nachgehen werden. Auch Hilfsorganisationen kommen auf ähnliche Zahlen und warnen zugleich: “Die Entscheidung gegen das Kondom ist für den Freier wie russisches Roulette, nun, wie ukrainisches Roulette”, sagt Konstantin Pertsowsky, Sprecher der International HIV/AIDSW Alliance. Die Ukraine zählt zu den Staaten Europas, in denen die Anzahl der Aids-Kranken sehr hoch ist: Es sind 1,46 Prozent der Bevölkerung. Vor der EM startete die Ukraine eine ganze Reihe von Informationskampagnen, auch in den Herkunftsländern der Fans wurde mehr als sonst informiert und gewarnt.

In Kiew hofft man, dass die Euro 2012 vor allem eine Fußballmeisterschaft bleibt. “Österreich und die Schweiz waren 2008 ebenfalls auf Sex-Tourismus vorbereitet, doch die Fans hatten dafür keine Zeit. Es ging um Fußball oder Bier”, so Oleh Matweitsow, Vertreter des Innenministeriums. Die durch ihre Oben-oben-Proteste international bekannte feministische Gruppe “Femen” aus der Ukraine hat bereits vor dem Start der EM gegen staatliche Verhaltensvorschriften protestiert. Der Versuch einer Aktivistin, die Trophäe der EM in ihre Gewalt zu bringen misslang zwar, doch die Kritik am Sextourismus verhallte diesmal nicht ungehört und ungesehen.

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