Eilmeldung

Eilmeldung

Besser hören dank optimaler Im-Ohr-Geräte

Sie lesen gerade:

Besser hören dank optimaler Im-Ohr-Geräte

Schriftgrösse Aa Aa

1989 legten Forscher im dänischen Lynge unweit von Kopenhagen die Grundlage für eine neue Generation von Hörhilfen, billig in der Herstellung und mit perfekter Passform. Die vorherigen Geräte waren oftmals unbequem, Patienten klagten über Druckstellen und Störgeräusche. Dem dänischen Forscherteam gelang es, Hörgeräte mithilfe von Computertechnologie individuell an den Gehörgang anzupassen. Dieses Verfahren ist heute weltweit verbreitet.
Hinter der revolutionären Hörhilfe steht der dänische Ingenieur Jan Tøpholm. Er erklärt uns die Vorteile der computergestützten Herstellung von Hörgeräten. “Die Schale sitzt besser im Ohr, was sehr wichtig ist für die Funktion des Hörgeräts. Es muss fest sitzen, sonst kommt es zu Störgeräuschen. Mit diesem Verfahren lassen sich Schalen herstellen, die sich viel präziser an den Gehörgang anpassen, als vorher. Der Computer berechnet sämtliche Parameter und entscheidet, wo die Bestandteile des Hörsystems sitzen. Lautsprecher, Verstärker und den Batterieblock mit dem Mikrophon können wir virtuell verschieben, bis wir den optimalen Standort im Ohr gefunden haben. Die grüne Einfärbung zeigt an, dass das Gerät nirgendwo anstößt. So lange es rot aufleuchtet, gibt es Berührungsstellen und wir müssen es noch etwas weiter verschieben.”

Zu Beginn des Verfahrens wird ein exaktes 3-D-Modell des Gehörgangs und der Ohrmuschel erstellt. Auf Basis dieser Daten entsteht eine optimale virtuelle Hörgeräte-Schale. Diese Daten werden schließlich an eine stereolithografische Produktionsmaschine weitergeleitet, welche die Hörschalen aus flüssigem Kunststoff Schicht für Schicht aufbaut. Nach rund drei Stunden ist die Schale fertig und wird mit sämtlichen elektronischen Bauteilen ausgestattet.
Die individuell angepasste Hörhilfe macht einen großen Unterschied. “Mein Leben hat sich verändert, ich kann jetzt tatsächlich hören”, bestätigt der Däne Jeppe Ring Laursen. “Es klingt nicht natürlich, aber es ist so viel besser, dass ich einer normalen Beschäftigung nachgehen, Freunde haben und in der Stadt ausgehen kann. Das Letzte, was ich am Abend mache ist, die Hörgeräte herauszunehmen und auf den Nachttisch zu legen. Und am Morgen greife ich als Erstes nach den Hörgeräten neben dem Bett, lege sie an und stelle sie ein. Ich brauche sie ganz einfach, um zu leben.”
Der 65-jährige Jan Tøpholm hat nahezu sein ganzes Leben der Entwicklung von Hörgeräten gewidmet. Er übernahm die von seinem Vater gegründete Firma und arbeitet heute wiederum mit seinen beiden Söhnen zusammen. Für sein Schaffen wurde er für den Europäischen Erfinderpreis nominiert, der im Juni in Kopenhagen vom Europäischen Patentamt vergeben wird. “Wenn man ein Gebiet findet, das noch nicht erforscht wurde und es einem gelingt, etwas Neues zu erfinden, dass tatsächlich gut funktioniert, für hörgeschädigte Menschen und für einen selbst, ist das ein wirklich gutes Gefühl”, sagt Tøpholm. “Ich glaube, dass wir in der glücklichen Lage sind, weitere Erfindungen machen zu können, und wir haben schon einige gemacht. Dies war eine besonders wichtige, aber es gibt noch viele andere.”
Millionen Menschen auf der ganzen Welt kommt Jan Tøpholms Erfindung heute zugute. Einen Rückzug in den Ruhestand mag er sich noch lange nicht vorstellen. Er träumt davon, die Technologie weiter zu verbessern.