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First Ladies im Twitter-Krieg

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First Ladies im Twitter-Krieg

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Die französischen Medien sprechen vom einer Soap Opera oder vom “Krieg der Rosen in La Rochelle”. Denn der interne Streit unter Sozialisten – mit dem Emblem der roten Rose – nimmt in der Stadt an der Atlantikküste immer bizarrere Formen an. An diesem Dienstag hat sich die First Lady Valérie Trierweiler (47) gegen die ehemalige Lebensgefährtin des Präsidenten Segolène Royal (58) ausgesprochen, indem sie eine Twitter-Nachricht an deren parteiinternen Widersacher geschickt hat. Diese um 11 Uhr 56 von ihrem I-Phone abgeschickte Twitter-Nachricht ist jetzt in allen Medien nachzulesen « Courage à Olivier Falorni qui n’a pas démérité, qui se bat aux côtés des rochelais depuis tant d’ années dans un engagement désintéressé » – auf Deutsch in etwa: “Guten Mut für Olivier Falorni, der sich verdient gemacht hat, indem er sich seit so vielen Jahren ohne eigenes Interesse für die Bürger von La Rochelle einsetzt”.


Olivier Falorni – ein 40 Jahre alter Lehrer und stellvertretender Bürgermeister von La Rochelle – war im vergangenen Jahr aus der Sozialistischen Partei ausgeschlossen worden, weil er sich gegen die Kandidatur von Ségolène Royal in seinem Wahlkreis zur Wehr gesetzt hatte. Falorni hatte jahrelang die Sommeruniversität der Sozialisten in La Rochelle organisiert – und er ist ein langjähriger Unterstützer des Präsidenten. Er sagt, er habe hinter François Hollande gestanden, als noch keiner an ihn glaubte.

In der ersten Runde der Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag kam Olivier Falorni auf 28,91 Prozent der Stimmen – hinter Ségolène Royal mit 32,01 Prozent. Eigentlich hätte sich Olivier Falorni spätestens nach der ersten Runde zugunsten von Ségolène Royal aus dem Rennen zurückziehen müssen – doch daran denkt er gar nicht. Auf einmal steht der außerhalb seiner Region Charente-Maritime bisher völlig unbekannte Falorni im Mittelpunkt der Medien und genießt dieses Interesse sichtlich. Bereits am Montagabend wurde er per Konferenzschaltung live in mehrere TV-Diskussionsrunden zugeschaltet, wo Falorni immer wieder bestätigte, dass er seine Kandidatur für die Stichwahl bereits abgegeben habe und dass er keinesfalls aufgeben werde.
Inzwischen hat sich ein Teil der konservativen Wähler in La Rochelle offenbar hinter Olivier Falorni gestellt – vor allem um den Sozialisten zu schaden und glücklosen Gegenkandidatin von Nicolas Sarkozy im Jahre 2007 eins auszuwischen. Die gesamte Rechte freut sich über das schlechte Schauspiel der Sozialisten, zumal die UMP landesweit bei der ersten Runde der Parlamentswahlen eher schlecht abgeschnitten hat und im neuen Parlament viele Abgeordnete verlieren wird.

Sollte es Ségolène Royal, derzeit Präsidentin der Region Poitou-Charente (zu der La Rochelle gehört), nicht gelingen, das Abgeordnetenmandat zu erringen, dürfte ihre politische Karriere einen entscheidenden Dämpfer erhalten. Eigentlich war die ehemalige Präsidentschaftskandidatin als nächste Parlamentspräsidentin vorgesehen, da sie – die zuvor schon Ministerin war – anders als andere verdiente Sozialisten keinen Posten in der neuen linken Regierung erhalten hatte. Doch um der Nationalversammlung vorzustehen, sollte sie selbst dort ihr Mandat erringen.

Die Solidaritätsbekundung der First Lady für den Widersacher von Ségolène Royal kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für die Sozialisten, denn just an diesem Dienstag hatten sich die Parteichefin der Sozialisten Martine Aubry und die junge Frontfrau der Grünen Cécile Duflot per Bahn auf den Weg nach La Rochelle gemacht, um Ségolène Royal zu unterstützen. Zu dritt haben die Politikerinnen Ségolène Royals Kandidatur für die zweite Runde im Rathaus von La Rochelle abgegeben – doch von dem Solidaritätsbesuch spricht kaum noch jemand. Die Twitter-Nachricht der Journalistin Valérie Trierweiler überschattet alles. Dabei stellt sich die First Lady sogar gegen François Hollande, der sich für die Ségolène Royal, die Mutter seiner vier Kinder, ausgesprochen hatte.

Über die Motive der plötzlichen Aversion von Valérie Trierweiler gegen Ségolène Royal wird noch spekuliert. Im vergangenen Oktober hatte die Magazin-Journalistin – ebenfalls per Twitter – der ehemaligen Lebensgefährtin von François Hollande dafür gedankt, dass sie dessen Kandidatur für das Präsidentenamt unterstützte.
Während sich die politischen Gegner der Sozialisten die Hände reiben, reagiert der Europa-Abgeordnete der Grünen Daniel Cohn-Bendit auf der Internet-Seite von Le Parisien und meint, es sei unanständig von Valérie Trierweiler, sich derart einzumischen. “First Lady oder nicht, mit ihren Bemerkungen zu ihrer Rolle geht sie mir gewaltig auf die Nerven”, wird Daniel Cohn-Bendit zitiert.