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Polens Fußballfrust: Schnellverfahren nach Hooligan-Randale

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Polens Fußballfrust: Schnellverfahren nach Hooligan-Randale

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“In der Hauptstadt wurde das Fußballfest zusammengeschlagen”, so das traurige Fazit der polnischen Presse nach der Hooligan-Randale in Warschau am Rande des EM-Duells Russland-Polen. Die betrübliche Erkenntnis setzt sich durch, dass unter dem historisch belasteten Verhältnis beider Länder auch heute ein “normales” Fußball-Match nur schwer möglich ist.

“Das waren keine Fans, das waren Hooligans. Es wird lange dauern, diese Art von Verhalten auszumerzen, vielleicht werden wir das niemals los”, resigniert ein Passant in Warschau.

“Es ist traurig, dass unsere eigenen Landsleute sich so benommen haben, die Russen sind doch genau solche Leute wie wir. Das war nicht okay, das Spiel war ein Erfolg, und diese Krawalle waren völlig unnötig, sie haben alles vermasselt”, schimpft eine andere Passantin.

Über 180 Festnahmen, davon gut 150 polnische Hooligans – und ein Regierungssprecher warnte, weitere Festnahmen seien wahrscheinlich. Innenminister Jacek Cichocki sprach vom “schwierigsten Tag” der Europameisterschaft und kündigte Schnellverfahren und harte Strafen an: Die Polizei ermittle, und man habe beschleunigte Verfahren eingeleitet, vor allem in den Fällen der beteiligten Ausländer. Innerhalb der nächsten zwei Tage, spätestens Freitag, würden die Fußballrowdys verurteilt werden, insbesondere die russischen Gewalttäter. Und wer verurteilt wurde, werde voraussichtlich aus Polen ausgewiesen und riskiere fünf Jahre Einreiseverbot in den Schengenraum.

Vor und nach dem Spiel am Dienstagabend hatten sich die polnischen und russischen Hooligans Straßenschlachten in der Warschauer Innenstadt und am Stadion geliefert. Laut Polizei waren sie auf Schlägereien bestens vorbereitet, teils vermummt, mit Feuerwerkskörpern, Wurfgeschossen und sogar Mundschutz für die Zähne unterwegs.