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Aufbruchstimmung in Afrika

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Aufbruchstimmung in Afrika

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Es ist Zeit, Afrika mit anderen Augen zu sehen. Denn es herrscht Aufbruchstimmung auf diesem Kontinent mit über einer Milliarde Menschen. Laut der Weltbank sind die Länder südlich der Sahara die einzigen der Welt, die 2012 ihr Wachstum vorantreiben können, mit einem BIP um die 5,5 Prozent. Während des letzten Jahrzehnts zählten sechs Länder Afrikas zu den Top Ten der Länder, die weltweit das schnellste Wachstum aufweisen konnten. Sie stehen im Wettbewerb mit Asien.

Um diese Fakten zu diskutieren, kamen 800 Menschen nach Libreville in Gabun. Internationale Führungspersonen aus Wirtschaft und Politik trafen sich auf Einladung des “New York Forum Afrika”, das von Richard Attias organisiert wurde. Es ist das erste seiner Art. Das Ziel war ehrgeizig: konkrete Lösungen voranzutreiben, damit Afrikas Aufbruch kein Mythos bleibt, sondern Realität wird.

Richard Parsons, ehemaliger Vorsitzender der Citigroup: “Afrikas Bevölkerung wächst von aktuell etwas mehr als eine Milliarde Menschen auf etwa zwei Milliarden in dreißig oder vierzig Jahren. Dann wird Afrika der größte Markt der Welt sein. Das und die Tatsache, dass immer mehr Konsumenten Geld zum Ausgeben haben, das wird Unternehmen aus der ganzen Welt anziehen. Dazu kommt, dass Afrika in Bezug auf Energie und Rohstoffe das hat, was der Rest der Welt braucht. Unumgänglich ist, das, was uns bisher fehlte, nämlich eine stabile fortschrittliche Führung an der Spitze der Staaten.”

Jean Ping, Vorsitzender der Kommission der Afrikanischen Union: “Wenn man sieht, wie Leute wie George Soros, der ein Gespür fürs Geschäft hat, der sehr früh den Aufwärtstrend in Asien und Malaysia sah, nach Afrika kommen und hier einen Thinktank gründen, dann ist das deshalb, weil sie daran glauben, dass die Aufbruchstimmung in Afrika von Dauer ist.”

Shantayanan Devarajan, Chefökonom der Weltbank:
“Diese hohe und schnelle Wachstumsrate hat auch Auswirkungen auf die Armut. Zum ersten Mal sinkt die Zahl der Armen. Im Zeitraum von 2005 bis 2008 konnten 9 Millionen Afrikaner die Armutsgrenze überwinden. Das entspricht der Bevölkerung von Benin.”

Aber wie kann man dieses Niveau halten? Die Redner forderten die Nationen auf, den Kurs einer umsichtigen Wirtschaftspolitik zu halten und eine breitere Palette von Investoren zu gewinnen. Ein weiteres Problem ist die Infrastruktur. Sie muss verbessert werden, um freien Warenverkehr zu gewährleisten. Und auch an der Sicherheit und den guten Staatsführungen muss weiterhin gearbeitet werden.

Ariane de Rothschild, Vorstandsvorsitzende der Edmond de Rothschild Holding: “Je mehr Investoren sie aus verschiedenen Bereichen anziehen können, desto mehr können sie für das Wohl der Menschen sorgen. Und umso mehr können sie das Land auffordern, seine Regierungsführung zu verbessern. Ebenso werden immer mehr Menschen in die Stadt ziehen, um besser zu leben. Dort ist der wirtschaftliche Wohlstand sicherlich noch sehr gering, aber er wird hoffentlich zunehmen.”

Jede Entwicklung erhöht die Ungleichheit der Menschen. Afrika ist ein Land der Solidarität, es muss sich treu bleiben und die Schwächsten unterstützen. Dazu gehört auch, den Status der Frau zu verbessern. Das ist eine logische Folge der wirtschaftlichen Entwicklung.

Eine Frau aus dem Publikum sagt: “Es sind die Frauen, die am härtesten arbeiten. Ich denke, wenn sie etwas tun, wenn sie sich selbst organisieren, wenn sie ihre Aktivitäten besser planen und sich um die notwendigen Instrumente bemühen, um die Lage auf diesem Kontinent zu verbessern, wird es zum wirtschaftlichen Aufschwung in Afrika kommen”.

Vickie Remoe, Kreativdirektorin von How4do Productions: “Es gibt diese Geschichte von diesem Mann, der das erste nationale Erdölunternehmen in Nigeria gründete und daraus wurde ein Multi-Millionen-Dollar-Unternehmen. Und wenn Sie die Geschichten von lokalen Geschäftsideen und Einfallsreichtum hören, egal ob Sie in Sierra Leone, Nigeria, Eritrea oder wo auch immer auf diesem Kontinent sind, wenn man diese Erfolgsgeschichten hört, dann glaubt man an den eigenen Erfolg und an die Möglichkeit, dass der eigene Traum Realität werden kann.”

Afrika wächst auch deshalb, weil es auf eine neue Generation von Unternehmern setzt. Sie wurden im Ausland ausgebildet. Aber Afrika sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen und die Bildung im eigenen Land verbessern. Sodass Ingenieure, junge Geschäftsgründer und -männer das Land nicht mehr verlassen müssen. Wie dieser Kongolese, der ein Touchpad entwickelte und erfolgreich vertreibt.

Verone Mankou, Vorstandsvorsitzender von VMK: “Afrika ist der einzige Kontinent der Welt, wo wir uns im Technologiebereich ein vierstelliges Wachstum leisten können. Und wenn man das im Hinterkopf hat, weiß man, dass es funktioniert. Ich glaube an den Erfolg und ich weiß, dass viele andere daran glauben. Und das nicht nur im Technologiesektor, sondern in allen Branchen. Man sieht junge Menschen, die anfangen in gute Projekte zu investieren und das zu sehen, ist einfach wunderbar”.

Euronews-Reporter François Chignac: “Genau wie dieses Touchpad, das in Afrika entwickelt und vertrieben wird und sich nicht vor internationalen Standards verstecken muss, ist der Wirtschaftsboom in Afrika kein Mythos mehr, sondern Realität. Drei Tage lang haben die Debatten des “New York Forum Afrika” diese Entwicklung unterstützt. In einem Jahr sehen wir uns wieder hier in Libreville, in diesem einst chaotischen Land, das sich zu einem neuen Modell der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklung gewandelt hat.”