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Dreiecksbeziehungen bei Frankreichs Parlamentswahlen

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Dreiecksbeziehungen bei Frankreichs Parlamentswahlen

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Bei der zweiten Runde der Parlamentswahlen in Frankreich deutet sich ein enges Kopf-an-Kopf Rennen an. Hintergrund ist das gute Abschneiden der Front National in der ersten Runde mit mehr als 13 Prozent. Somit ist die rechtsextreme Partei in der zweiten Runde mit von der Partie: in 29 Wahlbezirken ist sie zur zweiten Runde zugelassen.
Während es vor fünf Jahren nur in einem Wahlkreis Kandidaten von drei Parteien in die zweite Runde geschafft haben, sind es diesmal 35.

Dieser politische Dreikampf entsteht, wenn neben den zwei führenden Kandidaten ein dritter mehr als 12,5 Prozent der Stimmen erhält – die Prozenthürde für die zweite Runde.

Mehrere Szenarien sind nun möglich:
Niemand verzichtet. Alle drei Kandidaten treten an.
Oder:
Der Kandidat der Front National wirft das Handtuch zu Gunsten der konservativen UMP, um die Sozialisten auszubooten.
Oder:
Der UMP Kandidat verzichtet zu Gunsten der FN.
Oder:
Es kommt zu einer so genannten “front républicain” – einem Pakt zu Gunsten der republikanischen Werte: Der Kandidat der Konservativen tritt zurück zu Gunsten der Sozialisten, um die Rechtsextremen zu schwächen.

Doch neu ist diesmal, dass es bei der republikanischen Front Abweichler gibt.
Der Damm, der die UMP bisher von der Front National trennte, droht aufzubrechen.
Wie beim “weder – noch” des UMP-Generalsekretärs Jean-François Copé. Er erklärte: “In diesem Fall ist unsere Position, über die wir an diesem Nachmittag debattiert haben, klar und eindeutig. Der Kandidat der Front National darf nicht gewählt werden. Aber es sollte auch nicht für den Sozialisten gestimmt werden.”

Dieses “weder – noch” öffnet jedoch Tür und Tor für alle möglichen Abweichler. In der Nähe von Marseille ist ein UMP Kandidat zurückgetreten zu Gunsten der Front National. Er steht zu gewissen Gemeinsamkeiten, zu denen sich einige Mitglieder mittlerweile offen bekennen. UMP-Kandidat Roland Chassain nimmt kein Blatt vor den Mund: “Bestimmte Inhalte müssen durchgesetzt werden bei den Themen Einwanderung, Schengen, Kriminalität und Sozialstaat. Hier bei uns in der Region wird nur darüber geredet.”

Gefährliche Liebschaften zwischen Konservativen und Rechtsextremen, die manchmal der UMP zum Verhängnis werden. Das widerfuhr Nathalie Kosciusko-Morizet, genannt NKM. Ihre Äußerungen gegen Le Pen hatten ein Nachspiel: Die FN-Kandidatin forderte ihre Anhänger auf, für den Sozialisten zu stimmen.

Weiter links sind die Dinge traditionell etwas einfacher. Linke Duelle in Dreikämpfen sind selten. Traditionell verzichtet der schlechter Platzierte für seinen Parteikollegen. Doch auch diesmal gibt es einen Abweichler: In La Rochelle ist Ségolène Royal in Schwierigkeiten angesichts des zweitplatzierten Sozialisten, der gar nicht daran denkt, das Handtuch zu werfen.