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Klug in Kopenhagen - der Europäische Erfinderpreis 2012

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Klug in Kopenhagen - der Europäische Erfinderpreis 2012

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Wissenschaftler aus aller Welt und unterschiedlicher Disziplinen sind im Juni in Kopenhagen zur Verleihung des Europäischen Erfinderpreises 2012 zusammengekommen. In Kooperation mit der Europäischen Kommission zeichnet das Europäische Patentamt seit 2006 herausragende Erfindungen aus. Eine interdisziplinär besetzte Jury ermittelt aus hunderten Bewerbern 15 Finalisten. Der Europäische Erfinderpreis wird dann in fünf Kategorien verliehen.

Das direkt am Wasser gelegene Königlich Dänische Schauspielhaus dient der Preisverleihung als Kulisse . Und wenn es schon königlich wird, darf auch das dänische Kronprinzenpaar nicht fehlen. Prinzessin Mary und Prinz Frederik folgten der Verleihung von ihre Plätzen in der ersten Reihe.

In der Kategorie “Lebenswerk” ehrt die Jury Professor Josef Bille von der Universität von Heidelberg. Er gilt als Vater der Augenlaserkorrektur. In seinem Labor in der süddeutschen Universtätsstadt gelang ihm das lasergeführte Abtasten des menschlichen Auges und damit die detaillierte Abbildung von Defekten der Iris. Seitdem können Augenärzte in aller Welt viel genauer operieren. Auch die Produktion von maßgeschneiderten Kontaktlinsen wurde möglich.

“Von unserer Erfindung profitieren besonders Menschen mit erhöhter Kurz- und Weitsichtigkeit. Auch die so genannten zerrsichtigen Patienten, denen normalerweise weder Brillen noch Kontaktlinsen helfen, haben etwas davon”, so Professor Bille im Anschluß an die Preisverleihung.

Auch wenn sich die in Kopenhagen vergebene Auszeichnung Europäischer Erfinderpreis nennt, so ehrt die Jury in der Kategorie “Nicht Europäische Länder” auch Erfinder aus anderen Teilen der Welt aus. So auch Dr. John O`Sullivan und sein Team aus Australien. Seine Erfindung, die drahtlose Internetverbindung, hat unseren Alltag revolutioniert. Die Wissenschaftler um O´Sullivan schufen bereits in den 90er Jahren eine kabelunabhängige Verbindungsmöglichkeit, die den uns heute bekannten Standard in Beruf und Freizeit erst möglich machte.
Dabei war diese Erfindung eher Zufall – das Team hatte eigentlich an der radiowellengestützten Auslotung von Schwarzen Löchern geforscht. “Heute finden wir die von uns entwickelte Technologie in etwa drei Milliarden Geräten weltweit”, erklärt der Australier. “In Mobiltelefonen, Druckern, Computern und auch in Apparten, an die wir ursprünglich gar nicht gedacht hatten.”

Der Däne Jan Tøpholm erhielt den Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie “Industrie” für die Entwicklung der computergestützten Produktion von Hörhilfen. Dr. Manfred Stefener aus Deutschland erhielt den Preis für “Kleine und mittelständische Unternehmen” für die Erfindung einer tragbaren Brennstoffzelle. Die Ehrung für “Forschung” ging nach Frankreich, an Dr. Gilles Gosselin, der ein Medikament zur Behandlung von Hepatitis B entwickelte.

“Bei der Preisverleihung geht es vor allem um die öffentliche Anerkennung von Forschungsleistungen”, erklärt Benoit Battistelli. Er ist der Präsident des Europäischen Patentamts in München. Einige der Preisträger der vergangenen Jahre hätten bestätigt, dass ihnen der Abschluß von Forschungspartnerschaften nach der Auszeichnung leichter gefallen sei.

Nach der Auszeichnung sitzen Professor Bille, Dr. Stefener und die anderen Erfinder auf dem Weg nach hause wieder alle in einem Boot. Auf sie warten ihre Labore und Werkstätten, wo schon neue revolutionäre Erfindungen ihrer Entdeckung harren.