Eilmeldung

Eilmeldung

Was erwartet Frankreich vom EU-Gipfel?

Sie lesen gerade:

Was erwartet Frankreich vom EU-Gipfel?

Schriftgrösse Aa Aa

Am Donnerstag und Freitag findet ein mit Spannung erwartetes Gipfeltreffen der Europäischen Union statt. Es ist der erste EU-Gipfel, an dem Francois Hollande, der neu gewählte Präsident Frankreichs, teilnimmt. Hollande hatte sich im Wahlkampf für die Förderung des Wachstums in Frankreich und Europa eingesetzt, um die gegenwärtige Finanzkrise zu überwinden und den Euro zu retten.

Wie sich Hollande die wirtschaftliche Zukunft seines Landes und der Eurozone vorstellt, erfahren Sie in unserem Sonderbeitrag. Und Daniel Gros, der Leiter des Centre for European Policy Research, erläutert im Gespräch mit Euronews, worum es bei dem Gipfel für Frankreich geht.

Wie geht es den Euro-Staaten? Heute: Frankreich
 
Frankreich ist schön. Zumindest seine für Touristen bestimmte Postkartenansicht. Auch die geografischische Lage ist nicht übel – mitten in Europa. Wie geschaffen für emsigen Handel und Wandel. Zwischen Paris und Lyon rasten schon Super-Schnellzüge, als man in Deutschland das Wort ICE noch nicht einmal buchstabieren konnte. Warum also hapert es mit der französischen Wettbewerbsfähigkeit?
 
Denn damit liegt Frankreich klar hinter Deutschland und Großbritannien zurück. Innerhalb von zehn Jahren ging es mit dem Export rapide abwärts. Dazu muss man wissen: mit öffentlichen Ausgaben von 54.3% des BIP ist Frankreich Europas Spitzenreiter und  das hat eine Staatsverschuldung von 85,8% des BIP zur Folge.
 
Überall werden Schulden gemacht. In den Gemeinden, in der öffentlichen Verwaltung, bei den sozialen Sicherungssystemen. Die haben ein Loch von 14 Milliarden Euro in ihren Kassen.
Trotzdem wird das Rentenalter unter dem neuen Präsidenten zumindest teilweise wieder herabgesetzt.
 
Verheerend wirkt sich die Politik der Deindustrialisierung aus. Seit 2008 sind rund 280.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.
Der Anteil der Industrireproduktion am BIP ist um ein Drittel gesunken. Ganze Landstriche veramen.
 
Und wo produziert wird, geschieht das zu teuer.
Die Kosten pro Arbeitsstunde sind in Frankreich innerhalb von 10 Jahren um 19% gestiegen. 
Damit nähert sich Frankreich schon den Problem-Ländern in der Eurozone wie Italien, Portugal oder Spanien. 
 
Wenigstens demografisch steht Frankreich besser da. In 10 Jahren stieg die Bevölkerung um 7,5 % – und das keineswegs nur durch eingemeindete Zuwanderer. Mit 2,1 Kindern pro Frau sind die Französinnen wesentlich gebärfreudiger aus die deutschen Frauen mit 1,39 Kindern. Was auch am Rund-um-die Uhr-Betreuungssystem und an der Wertschätzung der Gesellschaft für berufstätige Mütter liegt.
 
Bei der Produktivität pro Arbeitsstunde liegt Frankreich nach Italien und Irland auf dem dritten Platz – vor Deutschland. Allerdings nur, wenn auch gearbeitet wird. Die regelmäßigen Streiks besonders im Verkehrswesen machen diesen Vorteil häufig wieder zunichte.