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Wozu die Griechen den Euro brauchen

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Wozu die Griechen den Euro brauchen

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Der Tourismus ist für die Griechen eigentlich das Huhn, das goldene Eier legt. Eigentlich. Wenn keine Krise dazwischenkommt, die den Kunden die Lust am Geld ausgeben verdirbt. Weil nun aber im Laufe der hochpolitischen Verhandlungen auch noch böse Worte gegen die Deutschen zu hören waren, reisen die jetzt lieber anderswo hin. 2,2 Millionen Deutsche kamen noch 2011, als sich der griechische Tourismus nach zwei mageren Jahren endlich wieder über eine gute Saison freuen konnte.
Mehr als 15% trug die Branche zum BIP bei, gab mehr als 18% der Griechen Arbeit. Aus und vorbei. Die Hotelreservierungen gehen zurück, man rechnet schon mit Einnahmeverlusten von 10 bis 15% aufs Jahr. Der Präsident der Hotellier-Vereinigung, Yiannis Retsos, spricht von einer “kritischen Lage.”
Juli und August stehen bevor, die wichtigsten Monate für den griechischen Tourismus. Man sei spät dran, sagt er, und will gleichzeitig immer noch auf etwas Verbesserung hoffen.
Dabei ist es seiner Meinung nach entscheidend, dass Griechenland den Euro behält. Griecehnlands einzige Chance sei dabei die Qualität seiner Angebote. Der Hotelfachmann betont: “Die Gäste kommen hier in schöne Hotels, gelegen in schönen Orten, wo sie zum Essen bequem ausgehen können, wo sie andere Leute treffen können. Sie besuchen ein modernes westliches Land, nicht mehr das arme Griechenland von vor 40, 50 Jahren.”
Es gibt aber noch eine andere Realität hinter den gepflegten Hotelfassaden. Gekocht wird im heutigen Griechenland nicht nur für Feriengäste – sondern auch für die Armen aus der Nachbarschaft.
Xenia Papastravrou hatte die Idee, mit Hilfe der Hotels eine Tafel für Bedürftige einzurichten.
Sie spricht mit viel Dankbarkeit von der Hilfe der Hotelbesitzer, die es ihrem Verein ermöglichen, jede Woche 1250 Mahrzeiten auszugeben.
Suppenküchen, so sagt sie, sind zur festen Einrichtung in der Nachbarschaft geworden.
Diese Solidarität ist gut. Sie reicht aber nicht aus.
Angesichts einer offiziellen Arbeitslosenrate von mehr als 22 % braucht das Land vor allem wirtschaftliche Impulse, damit die Menschen merken, sie können mit ihrer eigenen Arbeit die Dinge zum Besseren wenden.

3:27 fin