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Die Stadt Łódź und das Wasser

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Die Stadt Łódź und das Wasser

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Die polnische Stadt Łódź (polnisch Wudsch, auf Deutsch gewöhnlich Lotsch ausgesprochen), liegt in der Mitte des Landes, an der großen europäischen Ost-West-Achse von Moskau nach Paris über Warschau und Berlin. Ungewöhnlich für eine große Stadt von mehr als 700.000 Einwohnern: Sie liegt nicht an einem Fluss. Schauen wir uns an, was dies für die Stadt bedeutet – und bedeutet hat.
Łódź hat eine eigene Hymne: ein Lied aus dem 19.Jahrhundert, das den Webern gewidmet ist, die die Stadt groß gemacht haben.
Łódź hat zwar keinen Fluss, aber der Name bedeutet Boot, und ein solches ziert auch die Fahne der Stadt. Wenn man Einwohner der Stadt fragt, an welchem Fluss die Stadt liegt, wissen die wenigsten, dass es einen solchen gar nicht gibt.
Die Bürgermeisterin Hanna Zdanowska erklärt uns, dass Wasserläufe trotzdem eine große Bedetung für die Stadt hatten und noch immer haben:
“Die Stadt Łódź ist an dieser Stelle entstanden und sehr schnell gewachsen, weil es hier so viele Wasserläufe gibt, insgesamt 18 kleine Flüsse oder Bäche.”
Der größte ist nur zehn Meter breit. Andere sind sehr schmal, und viele laufen in der Stadt durch bedeckte Kanäle.
Der Wassermangel bedeutet hier, dass man mit dem Wasser vorsichtig umgehen muss, dass man es vor allem sauber halten muss. Professor Maciej Zalewski ist Direktor des Europäischen Regionalzentrums für Ökohydrologie. Er erklärt uns seine Säuberungs-Methode:
“So sieht das Wasser aus, bevor es gereinigt wird. Das ist das Problem, das wir lösen müssen.”
In seiner Anlage wird das Wasser biologisch gefiltert.
“Der größte Teil der Verschmutzung setzt sich in diesem Becken ab. Die Reinigung wird durch diese Lamellen verstärkt.”
Dann, so der Professor weiter, folgt eine wichtige Etappe: “Es werden Textilfilter verwendet. Sie beseitigen fast alle Unreinheiten. Die verwenden wir dann, um Rasenflächen zu schaffen.”.
Nach Professor Zalewski hat das gereinigte Wasser beinahe die Qualität von frischem Quellwasser. Es fließt in den See im Adam-Mickiewicz-Park.
Die Hauptader der Stadt ist also kein Fluss. Dafür hat Łódź die Piotrkowska-Straße, einen vier Kilometer langen Boulevard ohne eine einzige Kurve. Die Stadtführerin Dominika Ostrowska erklärt uns die Geschichte der Straße:
“Im 19. Jahrhundert wollte jeder zu Wohlstand gekommene Bürger dieser Stadt ein Haus in der Piotrkowska-Straße haben. Ein Beispiel ist das Juliusz-Heinzel-Palais hinter mir, das heutige Rathaus. Innen hat sich fast nichts geändert.”
Frau Ostrowska zeigt uns auch ihren Lieblingsort in der Piotrkowska-Straße:
“Die Rubinstein-Passage. Hier, im Haus Nr 67, wurde der berühmte Pianist geboren. Da kann man eine Skulptur mit Artur Rubinstein am Klavier sehen.”
Aus der Luft sehen wir Backsteinbauten, alte Fabrikgebäude, vor allem alte Textilfabriken. Die Textilbranche erlebte ein enormes Wachstum ab ungefähr 1820. Heute dienen die alten Fabrikgebäude anderen Zwecken. Dazu wieder die Bürgermeisterin:
“Die Stadt Łódź entstand mit Hilfe des Großkapitals. Im 19.Jahrhundert gehörte sie zu den drei Städten mit dem größten Wachstum der Welt. In weniger als 100 Jahren wurde aus einer Kleinstadt mit 1500 Einwohnern eine Metropole mit mehr als 620.000. Wir wollen unsere Wurzeln finden. Wir denken, dass der Schutz dieser schönen postindustriellen Infrastruktur eine Chance für die Stadt bedeutet.”
“Manufaktura” ist ein Handels- und Freizeitzentrum privater Investoren – in den einstigen Fabriken von Izrael Poznański.
Das Kunstzentrum von Łódź ist noch im Entwicklungsstadium, noch sind nur kleine Teile fertiggestellt. Der Direktor der Einrichtung, Krzysztof Candrowicz, sagt:
“Wir befinden uns in der alten Fabrik, die im 19. Jahrhundert von dem Industriellen Karol Scheibler gebaut wurde. In diesem Kunstzentrum beherbergen wir viele Künstler sowie Festivals und andere Veranstaltungen. Und vor allem soll diese Einrichtung in zwei Jahren 10.000 Quadratmeter groß sein und ein neues Zentrum der kreativen Industrien beherbergen, das wir Kunstbrutkasten nennen.”
Auch das alte Elektrizitätswerk EC-1, das die Stadt ein Jahrhundert lang mit Strom versorgte, soll neuen Zwecken zugeführt werden. Diese Baustelle macht die Stadt besonders stolz. Sie gilt als eine der größten Umbau-Stellen für alte Industrieanlagen weltweit. 300 Arbeiter sind hier am Werk. Ziel ist es, ein neues Stadtzentrum zu schaffen – mit dem neuen Bahnhof, der ganz in der Nähe gebaut wird. Projektleiter Paweł Zuromski:
“Wir befinden uns im alten Wärmekraftwerk. Dieser Teil stammt aus dem Jahre 1907. Nach dem Umbau wird dies ein Zentrum für Filmkunst sein. Im Mittelpunkt wird ein sogenanntes Klangtheater stehen. Das wird ein Aufnahme-Studio sein, in dem ein philharmonisches Orchester samt Chor Platz hat.”
“Es wird hier auch einen großartigen alten Maschinenraum geben, mit Kunstgalerien und Tagungsräumen.
Hier soll ein Planetarium mit 3D-Kino entstehen.
Dieses Kraftwerk wurde 1930 errichtet. Und hier soll ein Zentrum für Forschung und Technologie einziehen. Die Installationen werden vor allem dazu genutzt werden, die Prinzipien der Energieerzeugung zu erklären.”

Witold Stępień ist Präsident der Region von Łódź :
“Man versteht immer besser, dass die Stadt nicht gut funktionieren kann ohne ihre Region. Ein Beispiel ist die Wasseraufbereitungsanlage, die von der Stadt Łódź und den Nachbarkommunen gemeinsam gebaut wurde.”
“Das Leben ist zurückgekehrt in das Flüsschen Ner. Wegen der Abwässer der Fabriken hatte das Wasser eine andere Farbe bekommen. Nun ist es wieder einwandfrei.”
“Die Städte der Region können den Einwohnern von Łódź Angebote machen, – zum Beispiel Uniejów mit dem einzigen Thermalbad Polens. Viele Einwohner von Łódź kommen hierher zur Entspannung.”