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Spanien beim EU-Gipfel - was das Land zu erwarten hat

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Spanien beim EU-Gipfel - was das Land zu erwarten hat

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Die notwendigen Hilfen für Spaniens Banken sind bereits abgesegnet worden. Über die genauen Details des Rettungspakets werden wir aber erst etwas beim Treffen der Eurogruppe im kommenden Monat erfahren.

Beim EU-Gipfel Ende der Woche könnten Anträge, die einmal Vorschläge aus Brüssel waren zu Vorgaben werden. Das könnte für Spanien bedeuten, dass man gezwungen wird die Mehrwertsteuer zu erhöhen, das Rentenalter hochzusetzen oder sogar weitere Gehaltskürzungen im öffentlichen Sektor vorzunehmen. Weitere Opfer trotz der Sparpolitik in den letzten zwei Jahren für ein Land mit sechs Millionen Arbeitslosen. Euronews hat mit Daniel Gros gesprochen, dem Direktor des Europäischen Politik-Forschungs Zentrums. Er präsentiert eine genaue Analyse der spanischen Wirtschaft.

Spanien – wie weiter nach der Immobilienkrise?
 
Die spanische Wirtschaft hat es voll erwischt.
Rezession. Und keine Hoffnung auf Besserung in Sicht. Die viert-größte Volkswirtschaft der Eurozone ist durch ihre Immobilienblase in einen Teufelskreis geraten. Jahrelang beruhte das Wachstum der spanischen Wirtschaft auf einem einzigen Wirtschaftsbereich: dem Bauwesen.
Nahezu über Nacht fanden dort Zehntausende von Spaniern und Immigranten Arbeit. Bis die Blase platzte. Wenn alles nur auf Pump finanziert ist, kommt mit der Rechnung das böse Erwachen.
In Spanien kann man das am Anstieg der Arbeitslosenzahlen ablesen.
Die Arbeitslosenrate ist die höchste innerhalb der EU mit aktuell 22,9%. Von den unter 25jährigen findet jeder zweite keine Arbeit. 
Da macht das böse Wort von der “verlorenen Generation” die Runde. Es fehlen einfach die Mittel, um die Lage zum Besseren zu wenden. Dass auch den Banken das Geld ausgeht war angesichts der vielen “faulen Kredite” für unverkäufliche Immobilien nicht anders zu erwarten. Und diese Entwicklung bringt auch die Staatsfinanzen in Bedrängnis.
Vor der Immobilienkrise glänzte Spanien mit der niedrigsten Staatsverschuldung in der Eurozone.
Inzwischen sind die Schulden auf 72,1% des BIP angestiegen. Dem Land, das all seine Wirtschaftskraft auf einen Sektor konzentriert hatte, fehlt es an Produktivität. Die ist in den vergangenen zehn Jahren nur um magere 0,89 % gestiegen – während gleichzeitig die Löhne um 29 % stiegen. Damit hat Spanien denn heute die höchste Lohnstückskosten in der Eurozone.
Von Wettbewerbsfähigkeit kann da keine Rede mehr sein. Spanien liegt weltweit auf dem 30. Rang.
Aus welchem Wirtschaftsbereich sollen die Impulse für ein Überwinden der Krise kommen? Gewisse Ansätze sind in der Textilindustrie zu finden. Die hat sei 2010 ihre Produktion um 8,4% erhöht und den Export sogar um 14 %.
Spanien ist ein beliebtes Ferienland. Der Tourismus trägt rund zehn Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Das reicht nicht für den so dringend benötigten Aufschwung. Auch Spanien braucht Strukturreformen.