Eilmeldung

Eilmeldung

Die "Pflanzen-Melk-Technologie"

Sie lesen gerade:

Die "Pflanzen-Melk-Technologie"

Schriftgrösse Aa Aa

“Wir produzieren pflanzliche Moleküle, die sich ansonsten nur sehr schwer herstellen lassen. Diese Moleküle sind ausgesprochen nützlich für die Kosmetik- und Pharmaindustrie”, sagt Jean-Paul Fèvre, CEO von Plant Advanced Technologies.

Das nordfranzösische Unternehmen ist Vorreiter auf dem Gebiet der sogenannten “Pflanzen-Melk-Technologie”. Wertvolle Moleküle mit großer Wirkung werden ungewöhnlichen Pflanzen entzogen. Die seltenen Gewächse gedeihen hier außerhalb des Erdreichs, die Wurzeln schweben frei in der Luft, sie enthalten die begehrten Substanzen.
“Pflanzen produzieren aktive Wirkstoffe in ihren Wurzeln, die ihnen ermöglichen, sich gegen Angreifer in ihrem natürlichen Umfeld zu verteidigen”, erklärt Forschungsdirektor Frédéric Bourgaud. “Wir tauchen die Wurzeln in ein Lösungsmittel, damit sie durchlässig werden und diese außergewöhnlichen Moleküle frei geben.”
Das französische Unternehmen entwickelt sein Knowhow im Rahmen eines EU-weiten Forschungsprojekts. Die Wissenschaftler haben bereits eine Reihe von Wirkstoffen für den medizinischen Einsatz ermittelt, erklärt Frédéric Bourgaud. “Diese mexikanische Pflanze produziert ein Molekül, das bei der Behandlung von Osteoporose nützlich ist. Daneben sind zwei Pflanzen, die einen natürlichen Entzündungshemmer produzieren. Und diese fleischfressende Pflanze wird uns dabei helfen, Moleküle herzustellen für die Behandlung von Krebs und einer seltenen genetischen Krankheit.”

Hinter einer schweren Eisentür stehen hunderte von Litern eines natürlichen Oxidationshemmers bereit für die Lieferung. Weil den Pflanzen eine speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Diät zuteil wird, entwickeln sie größere Wurzeln und damit auch mehr Moleküle. “Auf einer relativ kleinen Fläche können wir kiloweise Moleküle produzieren, ein paar Dutzend Kilo, das wird durchaus der Nachfrage auf dem Markt gerecht”, sagt Frédéric Bourgaud.

Im dem Forschungstreibhaus, in dem die Versuche durchgeführt werden, sind die Regale voll mit seltenen Pflanzenarten. Sie werden herangezogen, um zu testen, ob man sie zum Nutzen der Medizin melken kann. Das Potenzial ist Jean-Paul Fèvre zufolge enorm. “Ein großer Teil der Moleküle muss noch entdeckt werden in seltenen Pflanzen, die unter Naturschutz stehen oder nur sehr langsam wachsen. Deswegen ist es sehr wichtig, ein Verfahren zu verwenden, das die Pflanzen nicht zerstört.”

Links:
SMARTCELL http://www.smart-cell.org/
PAT http://www.patsas.com/