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Argentiniens Ex-Diktatoren wegen Babyraubes verurteilt

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Argentiniens Ex-Diktatoren wegen Babyraubes verurteilt

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Die Ex-Generäle der argentinischen Militärdiktatur sind zu hohen Haftstrafen wegen Babyraubes verurteilt worden. Ihnen wird vorgeworfen, während der Diktatur 1976 bis 1983 die Neugeborenen inhaftierter Regimegegner geraubt und unter falschem Namen an regierungstreue Familien gegeben zu haben. Der Ex-Diktator Jorge Videla erhielt 50 Jahre Haft, mehrere Mitangeklagte wurden zu 10 bis 40 Jahren Gefängnis verurteilt.
Videla hatte in dem Prozess erklärt, dass die Mütter ihre ungeborenen Kinder zuvor “als menschliche Schutzschilde” missbraucht hätten.

Im Gerichtsaal in Buenos Aires wie draußen auf der Straße wurde das auf einer Großleinwand übertragene Urteil bejubelt. Im Prozess ging es um das Schicksal von 35 Kindern. Die Vereinigung “Großmütter des Maiplatzes” schätzt die Zahl der geraubten Babys auf etwa 500.

“Das ist Gerechtigkeit. Wir haben sie doch bekommen. 1996 haben wir angefangen, dafür zu kämpfen. Damals wussten wir nicht, ob wir es bis zum heutigen Moment schaffen würden. Ich denke, es hilft der Heilung der Gesellschaft”, triumphiert Estela de Carlotto, die Vorsitzende der Vereinigung.

Die oppositionellen Mütter und oft auch die Väter wurden zumeist ermordet. Gut hundert geraubte Kinder hat die Organisation bis heute ausfindig und mit ihren leiblichen Familien zusammenbringen können – ein aufwendiges Unterfangen, weil es keine echten Geburtsurkunden gibt.

Die Ex-Diktatoren wurden schon wegen anderer Menschenrechtsverletzungen zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine zwischenzeitliche Amnestie war unter Präsident Kirchner wieder aufgehoben worden.