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Erste freie Wahl in Libyen nach 42 Jahren

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Erste freie Wahl in Libyen nach 42 Jahren

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Das Straßenbild in Libyen haben die Bürger radikal verändert. Die Bilder des einen, einzigen, alles entscheidenden Revolutionsführers sind einer bunten Vielfalt an den Wänden gewichen.

Schließlich bewerben sich 4.000 Kandidaten um die 200 Sitze im Parlament. Die 2,7 Millionen eingetragenen Wähler haben alle Mühe, sich in dieser pluralistischen Vielfalt von fast 150 Parteien zurechtzufinden. Männer, mit und ohne Bart, Frauen, mit und ohne Kopftuch – die Libyer lernen: Demokratie ist anstrengend. Da bekennt
der “Mann auf der Straße” bekennt seine Qual der Wahl. “Den da kenne ich nicht”, sagt er. “Wer hat den denn nominiert?”

Demokratie macht Arbeit. Viel Arbeit. Zumal der Übergangsrat am Tag vor der Wahl zum Nationalkongress die Spielregeln geändert hat. Jetzt soll das Parlament nur noch das Prozedere für die Wahl der Verfassungskommission bestimmen. Deren 60 Mitglieder, die nicht gleichzeitg Parlamentsabgeordnete sein dürfen, soll später das Volk direkt wählen. Der Begeisterung der vielen freiwilligen Helfer tut das keinen Abbruch. Für diese Frau ist die erste freie Wahl nach 42 Jahren ein Freudenfest, für das sie sich auch Gottes Beistand erhofft. Nach der Wahl wird der Nationale Übergangsrat ersetzt durch den “Allgemeinen Nationalkongress”, der dann eine neue Übergangsregierung bestimmen wird und die Regeln für die Wahl der Verfassungskommission, der aus jeder der drei Regionen 20 Mitglieder angehören sollen. Wie fragil die neue Ordnung noch ist, zeigte sich an gewalttätigen Protesten. Im Osten um Bengazi wollen einige Gruppe mehr Autonomie, haben dafür zum Wahlboykott aufgerufen und Unterlagen verbrannt. Zur Absicherung dieses ersten freien Urnenganges wurde die Armee in Alarmbereitschaft versetzt. Im Programm der meisten Parteien dominieren die Themen staatliche Dienstleistungen, Rolle der Religion und Nationalismus. Zu den bekanntesten Parteien zählen die von den Muslimbrüdern gegründete “Partei für Gerechtigkeit und Aufbau” sowie die vom welterfahrenen Wirtschaftsexperten Mahmud Dschibril gegründete “Vaterlandspartei.”