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Hollandes Antrittsbesuch in London

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Hollandes Antrittsbesuch in London

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London. Weltstadt der Finanzbranche und Hauptstadt eines EU-Landes mit reichlich euro-kritischen Tendenzen. Die Franzosen sprechen da gern von “der anderen Seite des Ärmelkanals”.
Und der neue französische Präsident ließ sich
reichlich Zeit mit seinem Antrittsbesuch auf der Insel. Getroffen hatte man sich ja schon in der G-8-Runde im amerikanischen Camp David. Das hatte durchaus gereicht, um festzustellen, dass nunmehr französische und britische Vorstellungen, wie die Wirtschaft funktionieren sollte, meilenweit auseinanderliegen. Da mag Premierminister David Cameron dem abgewählten Nicolas Sarkozy noch so nachtrauern – die Franzosen haben sich nun mal für einen klaren Linksschwenk entschieden. Zwar hatte Cameron dem Parteifreund nach besten Kräften Wahlkampfhilfe geleistet – nur geholfen hat es nicht. Nun residiert im Präsidentenpalast der Sozialist Francois Hollande. Folglich hat auf der Insel dessen Labour-Genosse Ed Milliband mehr Grund zur Freude. Er hatte den Sozialisten von der Seine schon im März an der Themse empfangen und dem damaligen Wahlkämpfer kräftig den Rücken gestärkt. Der konservative britische Regierungschef Cameon hingegen polemisierte gegen die vom linken Franzosen vorbereitete “Reichensteuer” mit den Worten:“Wenn die Franzosen die Steuern auf bis zu 75% anheben, dann rollen wir unseren roten Teppich aus für französische Geschäftsleute, sie können gern in Großbritannien Steuern zahlen zum Wohle unseres Gesundheits- und Schulwesens.”
Das ist nicht der einzige Streitpunkt zwischen den jetzt an der Themse und an der Seine Regierenden.
Der britische Premier wehrt sich vehement gegen alle Vorschläge zur Einführung eine EU-weiten Finanztransaktionssteuer. Das hat mit dem britischen Wirtschaftssystem zu tun, das seit den Zeiten der “Eisernen Lady” auf Deindustrialisierung setzt und statt dessen die Finanzwirtschaft zum entscheidenden Wirtschaftszweig erhoben hat.
Kein Wunder, dass bei so vielen Gegensätzen Francois Hollande lieber erst seine französischen Truppen in Afghanistan besuchte, ehe er sich nun in das politisch verminte Gebiet in der City von London begibt. Getroffen haben sich beiden ja schon bei diversen Gelegenheiten wie dem jüngsten EU-Gipfel. Und beide dürften wissen, ihre Meinungsunterschiede lassen sich bestimmt nicht an einem Tag ausräumen.