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Internationaler Strafgerichtshof spricht sein erstes Urteil

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Internationaler Strafgerichtshof spricht sein erstes Urteil

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Ohne eine Regung zu zeigen, vernimmt der Angeklagte sein Urteil. Dem 51-jährigen Kongolesen
Thomas Lubanga wird der zweifelhafte Ruhm zuteil, als erster Angeklagter vom Internationalen Strafgerichtshof verurteilt zu werden. Er hört den obersten Richter Adrian Fulford sagen:”….verurteilt zu 14 Jahren Haft”.
Die sechs Jahre Untersuchungshaft werden dabei angerechnet. Dieser Strafgerichtshof hat auch die Mittel, um Opfer zumindest teilweise zu entschädigen. Im Falle Lubango werden 123 Kinder von dieser neuen Art internationaler Justiz profitieren. Deren Anwalt Franck Mulenda zeigt sich zufrieden darüber, dass das Gericht auch an die Opfer denkt. Das Urteil empfindet er als eine Art öffentliche Rache.
2003 war Lubanga Rebellenführer im kongolesischen Bürgerkrieg. Da wurden Kinder entführt und zum Töten abgerichtet. Die Anklage hatte dafür 30 Jahre Haft gefordert. Das Urteil fiel milder aus, weil nicht zweifelsfrei zu beweisen war, dass Lubanga selbst solche Kindersoldaten befehligt hat. Die Aussage einer Kindersoldatin stammt aus dem Dokumentarfilm “On the frontlines”
Das Mädchen mit dem Gewehr in der Hand sagt:
“Mein Rang ist Unteroffizier. An der Front töte ich mit Schußwaffen. Ich kann auch mit Messer oder Seil töten.”
Entstanden ist dieser für Fälle weltweit vorgesehene Strafgerichtshof aus dem Bemühen, die Verantwortlichen für Massaker, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nirgendwo mehr davonkommen zu lassen. Die beiden begrenzt tätigen Gerichtshöfe für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien und für Massenmorde in Ruanda standen gewissermaßen Pate, als mit dieser Zeremonie im März 2003 der Internationale Strafgerichtshof seine Arbeit aufnahm.