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High-Tech-Lügendetektor gegen falsche Fotos

Es war das Bild, das vor knapp einem Jahr um die Welt ging: AlKaida-Chef Osama Bin Laden, meist gesuchtester Terrorist der Welt, ermordet, getötet durch amerikanische Spezialeinheiten. Am Ende stellte sich heraus: das Foto ist ein Fake:

Dass es sich um eine Fotomontage handelte, fand dieser Mann heraus: Roger Cozien, Doktor der Mathematik und ehemaliger Gendarm. Wir sind mit ihm bei der Nachrichtenagentur AFP, die sein Programm zur Echtheitsüberprüfung ihrer Fotos regelmäßig benutzt.

Anhand dieses Fotos, das eine Krisensitzung im Weißen Haus nach BinLadens Ermordung zeigt, erklärt der Experte Cozien: “Das Licht auf Hillary Clinton wurde verändert, die Orden des Militärangestellten nachträglich eingesetzt und das Gesicht von Präsident Obama auf der Seite dunkler gemacht, wo es einen Schatten hatte. Das Bild gibt den Anschein spontan aufgenommen zu sein, dabei wurde es Schritt für Schritt verändert.”

Tungstène heißt das Programm. Seit 2009 wird es etwa bei der französischen Armee eingesetzt. Bislang kann es nur Digital- aber keine Print-Fotos entcodieren.
Falsche Raketen im Iran, eine Trauerfeier in NordKorea mit enorm vielen Gästen – Tungstene entlarvt die großen Lügen der Welt.

Der High-Tech-Lügendetektor funktioniert dank 20 verschiedener Filter und einem gigantischen internen Rechner. Er kann das Datum, an dem das Foto aufgenommen wurde, ebenso entziffern wie die Marke des Apparats.

“Unsere Arbeitsweise ist folgende: Wir scannen alles Detail für Detail ab, um alle Informationen zu erhalten – eindeutige wie versteckte Dinge, die auf Formeln basieren”, erklärt Roger Cozien. “Danach versuchen wir die Entstehungsgeschichte des Fotos zu rekonstruieren. Dabei entdecken wir dann eventuell vorgenommenen Veränderungen.”

Die Bildredaktion der Nachrichtenagentur AFP ist dankbar über Coziens Erfindung: “Manipulationen sind allgemein bekannt. Dank der digitale Technik kann sie jeder machen. Deshalb ist es für uns als Nachrichtenagentur wichtig, ein Werkzeug zu haben, mit dem wir die Richtigkeit der Fotos überprüfen können”, sagt der technische Redaktionsleiter François-Xavier Marit.

Für ein anderes Beispiel setzt Cozien einen optischen Filter ein, der die Ausbreitung des Lichts errechnet. Dann baut Roger Cozien flink ein drittes Flugzeug ins Bild, um seine Informationen zu erhalten – eine Manipulation, die das Programm natürlich sofort erkennt.

Der Erfinder erklärt: “Man sieht an den zwei ersten Flugzeugen sehr genau die Reste der Abgase und das, was die Atmosphäre an den Maschinen hinterlässt. Man sieht Spuren der warmen Luft hinter dem Flugzeug und selbst etwa die Verformungen der Maschinen. Um das dritte Flugzeug herum dagegen sieht es aus als wäre nichts geschehen. Das bedeutet also: Dieses Objekt passt sich nicht in seine Umgebung hinein. Wenn man sehr nah herran geht, sieht man, dass das dritte Flugzeug herauskopiert und eingefügt wurde.”

Es diese Fähigkeiten, die das Programm europaweit als Wunderwaffe bekannt gemacht haben – auch die Schweizer Polizei will es nun einsetzen. Vor einigen Wochen war Roger Cozien dort zu Besuch. Seine Erfindung soll helfen, Foto zu identifizieren – auf dem Weg zu einem Urteil.

“Wir arbeiten immer mehr mit Aufnahmen, die von Überwachungskameras aufgenommen wurden. Hinzukommen Aufnahmen, die aus sozialen Netzwerken stammen. Denn immer mehr Verbrecher setzen sich bei der Tat selbst in Szene und verbreiten die Aufnahmen. Die müssen wir überprüfen”, sagt Jean-Christophe Sauterle, Sprecher der Schweizer Polizei

In einer Kommunikationswelt, in der Bilder eine immer wichtigere Rolle spielt, wird also der Einsatz von Tungstene immer wichtiger.