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Vier Motoren für Europas Wirtschaft

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Vier Motoren für Europas Wirtschaft

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Europa steckt tief in der Wirtschaftskrise. Die lautesten Stimmen sind derzeit offenbar jene, die den Untergang der EU heraufbeschwören. Aber stehen wir tatsächlich vor dem Abgrund?

Nein, sagen einige, darunter auch die vier wirtschaftsstärksten Regionen Europas.
Baden-Württemberg, Katalonien, die Lombardei und das Rhonetal glauben, Lösungen für die Krise gefunden zu haben.

Das Geräusch von Schlagbohrmaschinen an einem Sommertag irgendwo in Europa. Das ist die Musik, die diese Wirtschafts- und Finanzkrise untermalt. Musik, die nach Arbeit klingt, nach der Aktivität einer ganzen Region.

Wir befinden uns im südfranzösischen Lyon im Rhonetal. Das Rhonetal ist die wirtschaftlich zweitstärkste Region Frankreichs und steht in Europa an siebter Stelle. Hier finden sich zahlreiche mittelständische Unternehmen, die sich auf Forschung und Innovation konzentrieren.

Natürlich entkommt auch das Rhonetal der Krise nicht so einfach. Aber hier hört man kaum etwas von Europas Untergang.

Baden-Württemberg, Katalonien, die Lombardei und das Rhonetal: Die “vier Motoren für Europa” nennt sich diese Allianz aus wirtschaftsstarken Regionen, die im kommenden Jahr ihren 25. Geburtstag feiert.

25 Jahre lang haben sie die gleichen Ziele verfolgt: Sie wollten sich gemeinsam entwickeln und dabei sowohl auf wirtschaftlich prosperierende, wie auch auf schwächere Regionen hören.

Baden-Württemberg steht an der Spitze der Allianz. Für das deutsche Bundesland hat der europäische Bürger Priorität. Ist das ein Eingeständnis für das Scheitern Europas?

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat dazu eine klare Meinung: “Nein, Europa ist natürlich nicht gescheitert, aber die Regionen sind einfach näher am Menschen. Wir haben die Aufgabe, die großen europäischen Themen für die Bevölkerung zu übersetzen, sie daran zu beteiligen, ihnen zu zeigen, dass sie wirklich etwas von Europa haben in ihrem ganz normalen Leben, in ihrer Arbeitswelt, in der Bildungswelt.”

Die europäischen Bürger fordern von den Spitzenpolitikern Europas vor allem eines: Arbeitsplätze.

Aber was können die Regionen hier tun? In der Theorie sollten sie diejenigen sein, die bei europäischen Investoren vorsprechen, sich um öffentliche Gelder bemühen, die Fäden ziehen. Denn es sind schließlich die Regionen, die aus den europäischen Fonds für regionale Entwicklung subventioniert werden.

Die Wirtschafts- und Schuldenkrise machen eine strenge Sparpolitik notwendig. Dennoch ist das Bedürfnis zu investieren in Europa nach wie vor groß. Aber wie können all diese Projekte finanziert werden, wenn Europa große Summen für die Rettung des Bankensektors ausgeben muss?

Die Lösung könnten projektgebundene Finanzierungen sein. Beim letzten Treffen des Europäischen Rats im Juni wurden den europäischen Banken 10 Milliarden Euro für derartige Investitionen zur Verfügung gestellt. Dabei geht es darum, das Wirtschaftssystem mit Hilfe großer Kredite, für die die EU die Garantie übernimmt, wieder in Schwung zu bringen.

Wenn Europa die Mittel stellen kann und den politischen Willen hat, wie steht es dann um die Regionen? Können sie ebenfalls investieren? Die reichsten von ihnen mit Sicherheit.

Die Region Rhone-Alpes bekam im Januar ein beneidenswertes Triple-A-Rating und schaffte es, 120 Millionen Euro an den Finanzmärkten einzusammeln.

Pragmatismus heißt das Zauberwort, das aus der Krise führen könnte. Und vielleicht muss auch ein anderes Europa erfunden werden? Ein Europa, das wir uns heute gar nicht vorstellen können?

Vielleicht könnte unsere Zukunft mit Hilfe der äußerst effizienten deutschen Vorgangsweise gesichert werden, der so genannten dualen Ausbildung.