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Politische Empörung über US-Team in Ralph Lauren "Made in China"

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Politische Empörung über US-Team in Ralph Lauren "Made in China"

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Zwei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in London hat die Aufregung über das Mega-Ereignis die politische Arena in den USA erreicht. Aber nicht wegen des Sports, sondern wegen… Kleidung. In seltener Eintracht haben führende Demokraten und Republikaner ihre Empörung ausgedrückt, nachdem in Medienberichten bekannt geworden war, dass die US-Olympiamannschaft zur Eröffnungszeremonie in in China gefertigten Uniformen antritt. Für die Politiker ein klarer Mangel an Patriotismus. “Ich denke, man sollte die Uniformen wieder einsammeln, in einen Container tun und verbrennen – und dann neue anfertigen”, sagte Harry Reid, der demokratische Mehrheitsführer im Senat. Das US-Team wird ins Londoner Stadion in Blazern und Mützen von Ralph Lauren einmarschieren, der auch schon vor vier Jahren in Peking die amerikanischen Athleten ausgestattet hatte. Auch damals waren die Kleidungsstücke in China gefertigt worden.
 
In einer äußerst angespannten politischen Atmosphäre, in der die Reizthemen Wirtschaft und Arbeitslosigkeit die Präsidentschaftswahlen im November entscheiden könnten, gab sich Reid kompromisslos. Er erklärte, das Nationale Olympische Kommittee der USA (USOC) solle sich der Tatsache “schämen” und “peinlich berührt” sein, dass die Uniformen in China hergestellt wurden. Zumal die Lage der US-Textilindustrie alles andere als leicht sei. Senatoren und Abgeordnete aus New York, wo traditionell ein Großteil dieser Branche beheimatet ist, schrieben einen wütenden Brief an das USOC, in dem sie die “Made in China”-Enthüllung “schockierend und enttäuschend” nannten. Außerdem verlangten sie, dass die Kleidung der US-Athleten in Zukunft in den USA hergestellt werden müsse.
 
Der demokratische Senator Sherrod Brown, der im Kongress die “kauft amerikanisch”-Gesetzgebung unterstützt, schrieb ebenfalls einen Brief ans USOC. Darin forderte er, die Uniformen für diese Olympiade müssten eingesammelt und durch neue, in den USA gefertigte, ersetzt werden. “Das USOC hält seine Athleten zu einem hohen moralischen und ethischen Standard an und praktiziert eine Null-Toleranz-Politik gegenüber jeder Form von Täuschung und Regelverstössen”, schrieb Brown. “Aber China setzt weiter auf Betrug, wenn es um internationalen Handel geht. Politisch arbeiten wir an fairen Bedingungen für amerikanische Unternehmen und Arbeiter, und das USOC sollte umgehend handeln, um einen heimischen Hersteller für die 2012-Uniformen zu finden.”
 
Das USOC wies die Kritik zurück und verteidigte seinen Sponsor. “Anders als die meisten olympischen Teams weltweit wird die US-Mannschaft mit privaten Geldern unterstützt, wofür wir unseren Sponsoren sehr dankbar sind”, teilte ein Sprecher in einer Erklärung mit. “Wir sind stolz auf unsere Partnerschaft mit Ralph Lauren, einem amerikanischen Kult-Unternehmen und freuen uns darauf, unsere Athleten in London um Medaillen kämpfen zu sehen.” Ralph Lauren zog es vor, in diesem Streit keine Stellungnahme abzugeben. In einer Online-Erklärung heißt es lediglich, es sei ein “Privileg”, die amerikanische Mannschaft in London auszurüsten.
 
Diejenigen, die die Uniformen am Ende tragen sollen, die Sportler nämlich, scheinen derzeit mehr mit ihren letzten Vorbereitungen beschäftigt zu sein als mit dem Streit über die Bekleidung. Schwimmstar Dana Torres sagte zwar, es wäre schön, wenn die Ausrüstung in den USA hergestellt worden wäre. Aber sie sagte auch: “Ralph Lauren hat erstklassige Arbeit geleistet.”

Dr. Stefan Grobe
Washington Correspondent