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Odessa, das neue aufstrebende Festival des Ostens

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Odessa, das neue aufstrebende Festival des Ostens

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Mit der nunmehr traditionellen Filmvorführung auf der berühmten Potemkin-Treppe eröffnete das dritte internationale Filmfestival von Odessa. Gezeigt wurde Charlie Chaplins Klassiker “Lichter der Großstadt” mit Orchesterbegleitung. Im Publikum mit dabei saß die Tochter des Filmmeisters, Geraldine Chaplin, einer der Ehrengäste des Festivals. “Hier sind heute eine Menge Geister unterwegs. Es ist ein symbolischer Ort, die berühmte Hafentreppe, die selbst ein so wichtiger Teil der Kinogeschichte ist. Den Film meines Vaters hier zu zeigen ist sehr gespenstisch und wunderschön zugleich.”
Glamouröse Stimmung herrschte auf der Eröffnungsparty im Palais Royal gleich neben dem Opernhaus von Odessa, mit einheimischen und internationalen Stars. Das noch junge, aufstrebende Festival würde sich gern als das Cannes des Ostens etablieren, sagt die Direktorin Viktoria Tigipko. “Mit dieser dritten Ausgabe sind wir das Festival mit der stärksten Publikumspräsenz. Wir haben vor, die größte Veranstaltung dieser Art in ganz Osteuropa werden. Dafür müssen wir natürlich noch einiges tun. In diesem Jahr erwarten wir über einhundert Tausend Zuschauer, das war das Ziel, das wir uns gesetzt hatten.”
Hollywoodstar Cillian Murphy, bekannt unter anderem aus dem Science-Fiction-Thriller “Inception” an der Seite von Leonardo DiCaprio, stellte in Odessa zwei neue Filme vor, die in diesem Sommer in den europäischen Kinos anlaufen werden.
In “Broken”, dem Spielfilmdebüt des britischen Theater-Regisseurs Rufus Norris, ist Murphy als junger Lehrer zu sehen. Der Film wurde auf dem vergangenen Festival von Cannes vorgestellt, in der Nebenreihe Semaine de la Critique.
Das Vorstadtdrama basiert auf dem Bestseller “To Kill A Mockingbird” (“Wer die Nachtigall stört”) von der US-Autorin Harper Lee und verknüpft mehrere Familiengeschichten.
Der zweite Film, in dem Murphy mitspielt und der in Odessa vorgestellt wurde, ist der Thriller “Red Lights” vom Spanier Rodrigo Cortés. Sigourney Weaver und Robert de Niro gehören ebenfalls zum Cast.
Nicht nur Perlen aus Hollywood bietet das Filmfestival in Odessa, sondern auch einen Einblick in die einheimische Kinoproduktion. In diesem Jahr gibt es erstmals einen speziell dem ukrainischen Film gewidmeten Wettbewerb.
Zu den vorgestellten Beiträgen gehört unter anderem das jüngste Werk des renommierten ukrainischen Dokumentarfilmers Sergey Bukovsy “Ukraine: Starting Point”. Der Streifen befasst sich mit der Unabhängigkeit des Landes vor 20 Jahren, mit der Epoche des Übergangs. Viele Zeitzeugen kommen zu Wort und geben Einblick in zum Teil unbekannte Aspekte der jüngsten Geschichte.
Der künstlerische Leiter des Festivals Alik Shpiljuk unterstreicht die Bedeutung des Streifens. “Es ist nicht nur ein wundschöner Film vom herausragenden Regisseur Sergey Bukovsky, sondern auch ein Streifen mit politischer Botschaft, 20 Jahre nach der Unabhängigkeit. Der Film gibt dem Zuschauer die Möglichkeit zu verstehen, was damals geschah, wie wir uns seitdem weiter entwickelt haben und was uns womöglich in der Zukunft erwartet.”
Die Festivalstadt Odessa ihrerseits setzt auf neue Glanzzeiten als wichtiger internationaler Filmtreffpunkt. Die Party hat gerade erst begonnen.