Eilmeldung

Eilmeldung

Michael Madsen, Peter Greenaway und ein Film über die Obdachlosen-WM

Sie lesen gerade:

Michael Madsen, Peter Greenaway und ein Film über die Obdachlosen-WM

Schriftgrösse Aa Aa

Tropische Regenfälle hätten Michael Madsen beinah vom roten Teppich gespült auf dem Internationalen Filmfestival in Odessa. Der für die Tarantino-Filme “Reservoir Dogs” und “Kill Bill” bekannte US-Schauspieler präsentierte seinen neuen Streifen und war sichtlich gerührt über den Empfang in der Stadt am Schwarzen Meer. Klitschnass sei er von dem wunderschönen Regenguss da draußen und habe Tränen in Augen, Tränen des Glücks.
Miachel Madsen spielt in der Low-Budget-Komödie “Garbage” von Phil Volken. Der Film handelt von zwei Müllmännern, die im Abfall von Hollywood eine verloren gegangene Oscar-Statue finden und über Nacht berühmt werden. Seine Teilnahme versteht er eine Unterstützung des Independentfilms, sagt Madsen. Außerdem wollte er eine andere Facette seines schauspielerischen Könnens zeigen. “Ich spiele in einem Fort Böswichter und Fieslinge. Madsen mit Knarre und Zigarette in die Hand, das macht jeder so. Ich wollte einfach mal etwas anderes versuchen.”
Abfall gehört auch zum Alltag der immer noch zahlreichen Straßenkinder in der Ukraine, auch in der Küstenstadt Odessa gibt es sie. Mit ihrem Schicksal befasst sich der Film “Backstreet Champions”, der auf dem Festival im nationalen Wettbewerb läuft. Eine Sondervorführung gab es in den Räumen der Kinderhilfsorganisation “The Way Home”, in Anwesenheit des ukrainischen Schauspielers Aleksey Gorbunow.
Der Film basiert auf einer wahren Geschichte, dem Sieg des ukrainischen Teams bei der Fußball-WM der Obdachlosen 2009 in Mailand. Gorbunow spielt den Trainer des Teams, ein ehemaliger Fußballstar, der beschließt, anderen zu helfen. “Fußball kann allen Kindern helfen, den reichen und den Armen”, sagt er. “Ich würde den Reichen unbedingt empfehlen, Fußball zu lernen, denn die armen wissen, wie es geht. Sie haben nicht viel Spaß in ihrem Leben, und vor allem kaum eine andere Wahl.”

Sergej Eisenstein machte Odessa berühmt als Filmstadt mit dem auf der Hafentreppe gedrehten Klassiker “Panzerkreuzer Potemkin”. Die alte Börse ist ein anderes wichtiges Wahrzeichen der Stadt. Dort stellte der britische Regiemeister Peter Greenaway sein jüngstes Projekt vor über Eisensteins Reise nach Mexiko. Der große Filmpionier, sagt Greenaway, sei seine Antwort auf die seichte Kinounterhaltung. “Unser Kino hat nicht viel mehr zu bieten, als Gutenachtgeschichten für Erwachsene mit einem wirklich winzigen Intelligenzquotienten. Da fällt der Blick unweigerlich auf jemanden wie Eisenstein, der uns die wahrhaft wertvollen Güter gab. Sex, Tod, Zivilisation, Eisenstein, ist genau der Richtige.”
2013 ist mit dem neuen Greenaway zu rechnen. Derweil feiert Odessa, das junge aufstrebende Festival seine Filme und sich selbst. 12 Beiträge sind im internationalen Wettbewerb. Daneben gibt es einen nationalen Wettbewerb, ein französisches und ein russisches Filmpanorama, so wie eine Retrospektive zu Ehren von Todd Solondz.