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US-Wahlkampf: Wer wird Romneys Vize?

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US-Wahlkampf: Wer wird Romneys Vize?

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Was Mitt Romneys potenziellen Vizepräsidentschaftskandidaten angeht, so haben Amerikas Late-Night-Comedians ihre eigene Vorstellung. Romney sollte jemanden aussuchen, der intelligent und liebenswürdig ist und bei Frauen und Angehörigen von Minderheiten gut ankommt: Präsident Obama. Für viele an der republikanischen Basis erhöhen Witze wie dieser nur die Nervosität darüber, wen denn Mitt Romney zu seinem Vize bestimmt, um mit ihm (oder ihr) in den Wahlkampf gegen Obama zu ziehen.
 
Nachdem sie “ihre” Kandidaten Rick Santorum und Newt Gingrich in den brutalen Vorwahlen gegen den moderaten Romney haben verlieren sehen, hoffen die konservativen Republikaner jetzt darauf, dass Romney “einen der ihren” nominiert. Dadurch soll die Tea-Party-Bewegung, sollen Evangelikale und Wertkonservative bei der Wahl motiviert werden. Nur jemand mit eindeutig konservativem Hintergrund, so glauben sie, kann die Romney-Kandidatur verstärken und mithelfen, Obama aus dem Weissen Haus zu vertreiben. Andererseits will der Flügel der gemäßigten Republikaner jemanden, der Romneys Gedankengut nahe steht und der bei unabhängigen Wählern attraktiv ist – denn die dürften die Wahl im November entscheiden.
 
Wer ist also der beste Mann (oder die beste Frau) für diesen Job? Mehr als einen Monat vor dem Parteitag der Republikaner in Tampa, Florida werden die Spekulationen über Romneys Vize immer heisser. Die ganze Woche lang wetteten politische Kommentatoren darauf, dass Romney seinen Mitstreiter bekannt gibt, um endlich die Serie negativer Schlagzeilen zu beenden. Doch mit jedem Tag, der verging, wurde das unwahrscheinlicher. Romney nimmt nächste Woche eine Auszeit vom Wahlkampf und begibt sich auf eine Auslandsreise. Es scheint, als habe der präsumptive Obama-Herausforderer noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
 
Als Romney bei einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch in Bowling Green, Ohio nach seinem möglichen Vize gefragt wurde, antwortete er seinen Anhängern: “Auch wenn ich die Person, die mein Vizepräsident wird, noch nicht ausgesucht habe, kann ich Ihnen versichern, es wird jemand sein, der konservativ ist und an konservative Prinzipien glaubt.” Diese Erklärung Romneys bedeutet, dass die Verkündung seines Vizes wohl erst nach Romneys Reise nach London und Israel kommen dürfte. Bis dahin wird also weiter spekuliert.
 
Bislang hat Romneys Wahlkampfstab versucht, die Bedeutung des Datums der Bekanntgabe herunterzuspielen. Der Suche nach einem Vize wurde allerdings allerhöchste Priorität eingeräumt. Romneys Berater haben sich Videos von potenziellen Kandidaten angesehen, hunderte Stunden von Polit-Talk Shows, Wahlkampfdebatten und -reden. Sie haben untersucht, wie die Kandidaten auf spontane Fragen und sogar Zwichenrufe reagierten. Kein öffentlicher Auftritt der Kandidaten wurde unbeachtet gelassen. Angesichts einer solchen Sorgfalt glaubt Romneys Team, alles getan zu haben, um eine höchst riskante Wahl wie die von Sarah Palin vor vier Jahren zu vermeiden. Die Entscheidung zugunsten Palin sorgte beim damaligen republikanischen Kandidaten John McCain lange für Bauchschmerzen – und bei Romney auch.
 
Da sich Romney zu diesem Thema (noch) in Schweigen hüllt, beobachtet die hungrige nationale Presse jeden Schritt von ernsthaften möglichen Kandidaten wie mit der Lupe. Da stossen selbst belanglose Wahlkampfveranstaltungen wie die an diesem Freitag bei Coastal Forest Products in Bow, New Hampshire, auf allergrösstes Interesse. Und zwar nur deswegen, weil dort New Hampshires Senatorin Kelly Ayotte an der Seite von Romney auftritt. Ayottes Name steht auf jeder Spekulationsliste von politischen Analysten. Sie ist gemässigt-konservativ, vertritt einen strategisch wichtigen Bundesstaat und gilt als enge Verbündete Romneys.
 
Allerdings wäre ihre Nominierung weniger spektakulär als die einer anderen Frau, deren Name in der vorigen Woche in die Debatte geworfen wurde: Condoleezza Rice. Die frühere Aussenministerin unter George W. Bush gilt als Liebling der republikanischen Wähler, die sie in Umfragen mit 30 Prozent auf Platz eins setzen, gefolgt von Floridas Senator Marco Rubio (19 Prozent), New Jerseys Gouverneur Chris Christie (acht Prozent) und dem Abgeordneten aus Wisconsin Paul Ryan (acht Prozent).
 
Doch Insider geben ihr keine Chance, da sie nicht konservativ genug sei, schliesslich bezeichne sie sich selbst als Abtreibungsbefürworterin. Letzteres ist der absolute Lackmustest für konservative Republikaner. Romneys ehemaliger Rivale Rick Santorum nannte auf ABC eine Nominierung von Rice einen Fehler, durch den ein Sieg Romneys im November unwahrscheinlicher würde. Alles andere als eine harte Ablehnung von Abtreibung komme für den Vize nicht in Frage, so Santorum.
 
Dennoch erzeugt eine mögliche Nominierung von Rice unter Wählern eine bemerkenswerte Begeisterung. Ohne die frühere Aussenministerin erhält Romney nur 41 Prozent Unterstützung, Obama dagegen 56 Prozent. Holt sich Romney aber Rice an seine Seite, gibt es ein 46 Prozent-Patt zwischen Romney-Rice und Obama-Biden. Ausserdem würde die Unterstützung Romneys unter Republikanern von 84 auf 89 Prozent wachsen. Ob indes die Nominierung des Vize bei der Wahl überhaupt von Bedeutung ist, ist unter Fachleuten umstritten. Jüngste Umfragen indes sagen: sie ist es. Drei Viertel der Befragten geben demnach an, diese Nominierung sei sehr wichtig oder wichtig. Nur ein Viertel sagt, sie spiele keine Rolle.