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Mythos von sicherer Atomkraft führte zur Fukushima-Katastrophe Folge

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Mythos von sicherer Atomkraft führte zur Fukushima-Katastrophe Folge

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Unfälle passieren, wenn Menschen sich zu sicher fühlen. Auf diese alte Weisheit lässt sich der nun vorliegende Untersuchungsbericht zur Atomkatastrophe von Fukushima zusammenfassen.
Da ist vom “Sicherheitsmythos” die Rede, der die Verantwortlichen leichtsinnig werden ließ.
So konnte es am 11. März 2011 zur dreifachen Kernschmelze kommen. Auch das Krisenmanagement des Betreiberkonzerns wird heftig kritisiert. Ein Mitglied des Untersuchungsausschusses, der Anwalt Toshio Tanako, sagte: “Wenn ein Desaster zuschlägt, muss man unter extremen Bedingungen Entscheidungen fällen. Wenn man darauf nicht vorbereitet ist, dann hat man nicht die nötige Fähigkeit, um ein Atomkraftwerk zu betreiben. Ich frage mich wirklich, ob die Verantwortlichen auf einen Unfall vorbereitet waren.”
In dem 450 Seiten langen Abschlußbericht stellt die vom Parlament eingesetzte Untersuchungskommission nicht nur den Betreibern sondern auch der damaligen japanischen Regierung das denkbar schlechteste Zeugnis aus. Kurz gesagt: Gefahren wurden heruntergespielt, Personal wurde nicht ausreichend geschult.
Auch das direkte Eingreifen des damaligen Regierungschefs Naoto Kan wird kritisch beleuchtet.
Das sei wenig hilfreich gewesen, habe sogar zu fehlerhaften Entscheidungen geführt. Es kommt noch schlimmer. Inzwischen ist auch noch bekannt geworden, dass Arbeiter gezwungen wurden, ihre Strahlenmeßgeräte zu manipulieren, damit sie länger arbeiten konnten, ohne dass die dann über den Grenzwerten liegende Strahlenbelastung in die Überwachungsprotokolle einging. Leichtsinn, Schlamperei, Erfolgsdruck von oben – vieles erinnert an die Ursachen der Katastrophe von Tschernobyl 1986. Und wie soll es jetzt mit Japans Energieversorgung weitergehen? 2010, also vor der Katastrohe lagen Atomkraft, Steinkohle und Erdgas mit je 27 % gleichauf bei ihren Anteilen zur Enegrgierversorgung des Landes. Und bis 2017 sollte der Anteil der Atomenergie auf 40% steigen.
Nun hat Japan ein Energieproblem. Trotz massiver Proteste in der Bevölkerung wurde Mitte Juli wieder ein Atomreaktor in Betrieb genommen. Der mittlerweile zweite, nachdem der Schock von Fukushima zunächst zum Abschalten aller Atomkraftwerke geführt hatte. Aber der Kinderglaube, der Mensch könne immer und überall die Natur sicher beherrschen, der ist nun auch den Japanern abhanden gekommen.