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Sichere Straßen der Zukunft

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Sichere Straßen der Zukunft

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Es ist Ferienzeit, für viele Europäer bedeutet das lange Autofahrten, die in einigen Fällen tragisch enden. Auf den europäischen Straßen sterben jedes Jahr mehr als 30.000 Menschen und rund 1,5 Millionen Menschen werden verletzt. Die Frage stellt sich, ob neue Technologien die Straßen sicherer machen können?

In Kroatien, das im kommenden Jahr der EU beitreten will, testen Wissenschaftler im Rahmen eines EU-Projekts Autos mit einem schnurlosen “Notrufsystem”. Dieses würde es ermöglichen, bei einem schweren Unfall sofort die Rettungskräfte zu alarmieren.

Projektmanager Ante Sarjanovic: “Das ist kein gewöhnliches Auto – es ist mit dem sogenannten eCall-Gerät ausgestattet. Dieses ist in der Lage manuell oder automatisch einen Anruf zu tätigen. Wenn wir einen schweren Unfall auf der anderen Seite der Straße sehen, können wir das Auto anhalten und auf den eCall Knopf drücken.”

Das Gerät ruft dann die europäische Notrufnummer 112 an. Der Fahrer spricht mit der Vermittlung durch die Lautsprecher. Das eCall-Gerät sendet dann via GPS die genauen Koordinaten der Unfallstelle.

Goran Ostojic vom 112-Notfallzentrum:
“Dieses Sytem ermöglicht es uns, alle notwendigen Daten für die Rettung in viel kürzerer Zeit zusammen zu tragen.”

Die sofortige Alarmeriung verringert die Zeit bis zur Rettung um rund die Hälfte. Innerhalb weniger Minuten könnten Krankenwagen, Feuerwehr oder Polizei am Unfallort eintreffen.

Pavao Britvic, Koordinator von eCall: “Unfallopfer können unter großem Stress stehen, oft sind sie nicht in der Lage, ihren genauen Standort zu erläutern. Dieses System umgeht das Problem. Die Zeit und die Koordinaten des Unfalls werden automatisch an das 112-Zentrum gesendet. So werden unnötige Komplikationen vermieden.”

Der kroatische Automobilverein stellt technische Unterstützung und die Verkehrsdaten den Fahrern zur Verfügung. Das eCall-System könnte somit auch Staus nach Unfällen vorhersagen und die Sprachbarrieren überwinden. Das ist besonders für Urlaubsziele wie Kroatien wichtig, wo viele Touristen nicht die einheimische Sprache sprechen.

Ingenieure arbeiten daran, dass das eCall-System europaweit kompatibel ist, damit die Anrufe grenzüberschreitend gemacht werden können. Autobauer müssten diese Technologie in ihre Autos integrieren, damit der Anruf simultan mit dem Auslösen der Airbags erfolgt.

Projektleiter im Ericsson Nikola Testlabor, Hrvoje Strepacki: “Damit dies automatisch geschieht, müsste das System mit den Sensoren des Autos verbunden sein, damit die Sensoren den Anruf auslösen können. Wir haben mit den Geräten während unserer Tests gespielt. Wir haben die Box geschüttelt, um zu sehen, ob sie den eCall auslöst.”

2015 soll der EU-weite eCall eingeführt werden. Dann soll dieses Gerät für alle Neuwagen in der Europäischen Union Pflicht werden.

Aber können neue Technologien auch Unfälle
verhindern, indem automatisch gefährliche Situationen vermieden werden? Dieses Auto braucht beim Lenken, Beschleunigen oder Bremsen nicht mal die Hilfe des Fahrers. Es navigiert autonom, in dem es Sensoren und ein präzises Positionssystem nutzt.

Ingenieur Jan Schomerus vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt: “ Ich drück jetzt diesen Knopf und das Fahrzeug setzt sich dann in Bewegung und fährt im hochautomatisierten Modus. Das heißt, es fährt automatisch, scannt die Umgebung nach Objekten und würde eben dann auch entsprechend bremsen, wenn ein Objekt auftaucht.”

Die europäischen Wissenschaftler und Autohersteller haben verschiedene Test-Fahrzeuge gebaut, die die intelligenten Fahrkonzepte integrieren. Diese sollen das Fahren sicherer gestalten.

Karsten Lemmer, Direktor vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt: “Wir haben in diesem Fahrzeug eine Vielzahl von Sensoren verbaut. Zum Beispiel an der Seite, in der Mitte und auf der anderen Seite erzeugt dieser Sensor eine Vordersicht auch ein Teil noch von den Seitenbereichen. Darüber hinaus gibt es hier hinter dem Rückspiegel ein Spurerkennungssystem. Dieses detektiert, wo befindet sich der Fahrer innerhalb der Fahrspur.”

Die Wissenschaftler studieren mit Simulatoren die Mensch-Maschine-Interaktion in verschiedensten Situationen. Eine große Herausforderung besteht darin, das Vertrauen des Fahrers in das automatische System zu gewinnen.

Karsten Lemmer, Direktor vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt: “Für uns ist es wichtig bei diesen Automatisierungen zu schauen, wie ist es möglich einen Übergang zu schaffen, von dem menschlichen Fahren zum automatischen Fahren und auch die Transition wieder zurück vom hochautomatisierten Fahren zum Fahrer. Die Frage ist, welche Rolle hat der Fahrer in diesem Zusammenspiel und welche Rolle hat das technische System, das Fahrzeug in diesem Fall.”

Dieses Fahrzeug hat ein Co-Pilotensystem, dass Straßenmarkierungen bis zu 60 Meter im Voraus erkennt. Ingenieur Martin Hummel: “Wenn die Spur erkannt ist, wird die Lenkung aktiviert und man sieht das Fahrzeug orientiert sich jetzt an der Spur bis zur Kurve.”

Wenn die Kurven zu eng werden, übernimmt der Fahrer wieder die Kontrolle. Das automatische System kann mit noch mehr Funktionen aufgerüstet werden.

Der Radar hilft dem Auto, eine sichere Distanz zu anderen Fahrzeugen zu halten. Er passt die Geschwindigkeit an, um einen Zusammenstoß mit dem Vorderwagen zu vermeiden, sollte dieser langsamer fahren oder anhalten.

Ingenieur Matthias Strauss: “Es gibt aber immer noch sehr viele offene Fragen. Können wir zum Beispiel die Unaufmerksamkeit des Fahrers länger zulassen wie nur wenige Sekunden. Können es mehrere Sekunden sein? Wir müssen schauen, wie es sich mit höheren Geschwindigkeiten verhält. Wie können wir damit umgehen? Kann die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation in diesem Bereich auch etwas beitragen?”

Die Co-Piloten-Systeme werden in den nächsten Jahren noch nicht auf dem Verbrauchermarkt erhältlich sein. Aber eins ist jetzt schon klar: Die Forschungen gehen weiter. Wissenschaftler als auch Autohersteller arbeiten gemeinsam daran, die Straßen der Zukunft sicherer zu gestalten.

http://www.ec.europa.eu/ecall

http://www.haveit-eu.org

http://www.heero-pilot.eu/

eCALL, HeERO and HAVEit projects are co-funded by the European Union