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Gibt es Frieden in Syrien, wenn Assad geht?

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Gibt es Frieden in Syrien, wenn Assad geht?

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Damaskus am 19. Juli 2012. Vereidigung des neuen syrischen Verteidigungsministers.
Baschar al Assad gibt sich so souverän, als beherrsche er sein Land immer noch unangefochten, als tobe da nicht schon längst ein blutiger Bürgerkrieg. Die internationale Gemeinschaft schaut mehr oder weniger hilflos zu. In Washington fragte euronews-Korrespondent Stefan Grobe den Dekan der Johns-Hopkins-University und Nah-Ost-Spezialisten,Vali Nasr nach seiner Analyse der Lage und vor allem nach seiner Prognose. und die klingt alles andere als hoffnungsvoll: “Ob Assad bleibt oder geht ist in diesem Moment eher irrelevant. Auch wenn Assad die Macht abgeben würde, wäre da noch der Militärapperat und jener Teil der Bevölkerung, der ihn unterstützt. Man kann von 50 Prozent der Bevölkerung ausgehen, wenn man von der Anzahl der Aleviten, Christen und Kurden ausgeht, die entweder wirklich zu ihm stehen oder einfach Angst haben vor der Opposition. Auch ohne Assad gibt es immer noch genug Gründe für Kämpfe in diesem Land. “

Der Kampf könnte weitergehen in einem Land, das über chemische Waffen verfügt??? Erst tauchte das Gerücht auf, Assad habe befohlen, sie zu Flugplätzen in Grenznähe zu bringen. ann trat ein sichtlich um Abwiegeln bemühter Außenminister vor die Kameras und versicherte, Chemiewaffen würden nie gegen das eigene Volk eingesetzt werden.

Vali Nasr betrachtet auch diesen Aspekt sehr nüchtern: “Der Vorrat an chemischen Waffen könnte bei Verhandlung mit der Opposition zum Druckmittel werden, um bessere Bedingungen zu bekommen. Es wäre eine klassische Methode, wenn Assad versuchen würde, sein Spiel zu treiben mit unterschiedlichen Gruppeninteressen. Und Assad zeigt der internationalen Gemeinschaft ja, dass er noch gewisse Möglichkeiten hat. “

Für die israelische Zivilbevölkerung in Grenznähe ist es jedenfalls Grund genug, sich mit Gasmasken einzudecken. Völkerrechtlich gesehen befinden sich Israel und Syrien ja immer noch im Kriegszustand.

Es gibt keinen Friedensvertrag. Gestritten wird immer noch um die strategisch wichtigen Golanhöhen, von denen herab ein Angreifer Israel beschießen könnte. Vali Nasr betrachte die Lage einmal aus Israels Sicht: “Grundsätzlich ist das Chaos in Syrien ist nicht gut für Israel. Was auch immer das Problem mit Syrien unter Assad war – unabhängig vom Problem mit der Hisbollah – es gab eine gewisse Stabilität und Berechenbarkeit an Israels Grenzen, insbesondere der syrischen. Es war eine Grenze sowohl mit Spannungen als auch mit einer gewissen Stabilität. Die letzten Bodenkämpfe gab es 1973. Und den letzten Luftkrieg mit Syrien fürhrte Israel 1982, 83. Aber seither war das eine stabile Grenze. Und damit dürfte es jetzt vorbei sein. Seit in Syrien Chaos herrscht, muss Israel diese Grenze viel stärker bewachen und immer auf Angriffe gefasst sein. “

Im syrischen Chaos vermag niemand mehr zu überblicken, wer gerade wo dominiert. Klar ist nur, hier sterben Zivilisten. Hier werden beteiligte Kämpfer wie unbeteiligte Kinder zu Grabe getragen.

Vali Nasr erinnert bei der Frage nach dem Ausweg an historische Beispiele: “Es gibt nur eine Option, und die lautet, eine große Zahl von europäischen und amerikanischen Truppen nach Syrien zu bringen.

Sie können diesen Krieg beenden, so wie wir den Bosnienkrieg beendet haben und es nun im Irak tun.

Aber ich bezweifle ernsthaft, dass jemand daran interessiert ist. Und im Moment ist es sehr bequem, sich hinter dem russischen Veto zu verstecken, so dass die Schuld allein bei den Russen liegt. Aber selbst wenn die Russen grünes Licht geben würden, würde das die Lage im Land nicht wirklich ändern. Es geht schon lange nicht mehr nur um die Frage, ob Assad gehen oder bleiben soll.”