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Frau Ritter hat BH getragen

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Frau Ritter hat BH getragen

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Archäologen haben in Osttirol kürzlich eine Entdeckung gemacht, nach der sie nun die Geschichte neu schreiben müssen: Jedenfalls die, der Unterwäsche. Schon vor 600 Jahre sollen Frauen demnach BHs getragen haben.

Bislang dachten Soziologen und Historiker, BHs seien eine neuzeitliche Erfindung des 20. Jahrhunderts. Doch jetzt stießen Archäologen bei Ausgrabungen in einem Schloss auf Wäsche aus dem 15. Jahrhundert. Die Forscher zeigten sich begeistert, wirft der Fund doch ein ganz neues Licht auf das Leben im Mittelalter:

Beatrix Nutz, Archäologin der Universität Innsbruck erläutert:“Es gibt ja auch Textilien in Museen aus dem 15. Jahrhundert, aber das sind die Sachen, die man damals schon für aufhebenswert erachtet hat. Also meistens Gewänder des Klerus, die sich in Kirchen erhalten haben, aufwendige Sachen des Hochadels. So Alltagssachen sind ja weggeschmissen worden. Da findet man eigentlich nichts Komplettes, nur bei Ausgrabungen.”

Die BHs wurden zusammen mit anderer Wäsche gefunden, als man im Jahr 2008 ein altes Gewölbe ausgraben ließ. Dieses war bis oben hin mit Schutt und Abfall verfüllt worden. Doch wenn es damals bereits BHs gab, weshalb verschwanden diese wieder bis zur Neueinführung im 19. Jahrhundert??

Beatrix Nutz:“Die Mode hat sich geändert. Die Kleiderschnitte selber haben sich geändert. Und man hat den unter den Kleidern oder auch über den Kleidern eben so Mieder getragen, um zum Beispiel eine schmale Taille zu erreichen. Diese Mieder haben natürlich auch gleichzeitig so von unten die Brust gestützt, da braucht man nicht zusätzlich noch einen BH, der war eher überflüssig.”

Unter den weiteren gefundenen Textilien sind auch zahlreiche Stücke, die wie Unterhosen aussehen. Die, erklärt Archäologin Nutz jedoch, hätten Männer getragen. Ohnehin gibt der Fund nur Aufschluss über die Sitten beim Adel – ob auch das gemeine Volk im Mittelalter Unterwäsche trug, darüber kann nur spekuliert werden.