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Pussy Riot in Moskau vor Gericht

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Pussy Riot in Moskau vor Gericht

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In Moskau beginnt der Prozess gegen die Mitglieder der feministische Punk-Band Pussy Riot. Die drei Frauen hatten Ende Februar den Altarraum der Erlöser-Kathedrale in Moskau gestürmt und dort ein so genanntes Punk-Gebet performt. Im wichtigsten Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche skandierten sie “Mutter Gottes, vertreibe Putin”. Seitdem sitzen die Frauen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre Freiheitsstrafe. Kritiker nehmen an, dass sowohl Kreml als auch Kirche ein Exempel statuieren wollen.

“Eine Gesellschaft ohne moralische Grundwerte wäre weit gefährlicher als eine Gesellschaft, die mit solchen Darbietungen zu hart ins Gericht geht”, meint Alexander, ein Gemeindemitglied. “Da muss abgewogen werden. Sieben Jahre Haft sind natürlich zu hart. Aber was sie taten war ja auch verachtenswert, und da muss ein Zeichen gesetzt werden.”

Die drei jungen Frauen müssen sich wegen Blasphemie und Rowdytum verantworten. Nikolay Polozow verteidigt sie vor Gericht: “Nach russischem Recht betrifft das, was in der Kathedrale passsierte nicht das Strafrecht, sondern ist eher eine Verwaltungsangelegenheit. Da werden normalerweise umgerechnet 12 bis 24 Euro (500-1000 Rubel) fällig. Deswegen erachten wir die Anklage als unzulässig.”

Der für das Verfahren zuständige Richter ist Wiktor Danilkin. Im Jahr 2010 hatte er den Ex-Magnaten und Putin-Gegner Michail Chodorkowski wegen Steuerhinterziehung und planmäßigen Betrugs zu einer Gesamtstrafe von 14 Jahren verurteilt.