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Dutroux-Komplizin vor Freilassung

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Dutroux-Komplizin vor Freilassung

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Michelle Martins Gesicht wollten hunderttausende Belgier für immer hinter Gittern sehen. Nun soll die ebenfalls verurteilte Ex-Frau des Kinderschänders Marc Dutroux vorzeitig aus der Haft entlassen werden. In einem Kloster nahe der zentralbelgischen Stadt Namur will sie in Zukunft gemeinnützige Arbeit leisten.

“Sie wird den Schwestern bei ihren wohltätigen Projekten helfen, vor allem beim Packen von Essenspaketen. Frau Martin möchte etwas Konkretes tun, etwas zurückgeben”, sagte ihr Anwalt Thiery Monreaux. Michelle Martin fühle sich schuldig, so ihr Rechtsbeistand.

Martins neues Heim befindet sich nur 60 Kilometer vom Wohnort einiger Opferfamilien entfernt. Grund genug für eine heftige politische Debatte über den Umgang mit Schwerverbrechern in Belgien. Sybille Stilmant wohnt in der Nähe des Klosters. Sie ist skeptisch: “Ich habe Kinder und deswegen beunruhigt mich diese Entscheidung. Eines von Ihnen geht hier in den Kindergarten. Mir ist nicht wohl dabei.”

Und auch Michel Dethier aus Namur hat kein Verständnis für die Gerichtsentscheidung aus Mons: “Die Kinder der Schule hier gehen oft in das Klarissen-Kloster. Und jetzt sollen da Straftäter einziehen? Das ist eine Schande, das ist monströs und nicht normal.”

Nach jahrelanger Untersuchungshaft wurde Michelle Martin im Jahr 2004 wegen fahrlässiger Tötung zu 30 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Mutter dreier Kinder hatte die Kellertür versperrt, hinter der dann zwei achtjährige Mädchen qualvoll verhungerten.