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Nach den Protestbären - Lächerlichkeit als Waffe

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Nach den Protestbären - Lächerlichkeit als Waffe

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Am 4. Juli fielen in Weißrussland genau 879 Teddybären vom Himmel. Das war aber keine Werbeaktion eines Spielzeugherstellers – sondern ein höchst politischer Protestakt. Die Bären, die an kleinen Fallschirmen zu Boden segelten, trugen Menschenrechtslosungen aufs weiche Fell geklebt.
Die Idee stammt von zwei schwedischen Werbe-Profis, die mit der weißrussischen Opposition sympathisieren. Thomas Mazetti und Hannah Frey, so die Namen der beiden, erklärten danach in Berlin: “Einen Diktator kann man fürchten oder hassen. Wenn die Leute anfangen, über ihn zu lachen, sind seine Tage gezählt.”
Der seit 1994 in der ehemaligen Sowjetrepublik herrschende Alexander Lukaschenko feuerte nach der Aktion den Verteidigungsminister, einen Luftwaffengeneral und fünf weitere hochrangige Militärs. Zu groß die Blamage, dass ein kleines Sportflugzeug aus dem benachbarten Litauen anderthalb Stunden im weißrussischen Luftraum rumfliegen und Protestbären abwerfen konnte.
Wer nochmal weißrussischen Luftraum verletzt, wird abgeschossen, lautet die unmissverständliche Drohung an mögliche Nachahmer.
Auch gegen Leute, die diese Blamage publik machten, wird mit aller Härte vorgegangen. Der junge Blogger Anton Surjapin wurde verhaftet, weil er Fotos von den Protestbären auf seiner Website veröffentlicht hatte.
Er wurde in das gleiche Gefängnis gebracht, in dem auch Andrei Sannikow zeitweise einsaß. Letzterer hatte es gewagt, als Präsidentschaftkandidat gegen Lukaschenko anzutreten.
Die Teddybären-Geschichte entfaltet inzwischen in Weißrussland eine Art Eigendynamik. Fotos der Protestbären machen die Runde und in Minsk demonstrierten junge Leute mit einem Plakat, das zeigt, was sie von der Meinungsfreiheit im eigenen Land halten: “Keine Fotos – kein Ärger”