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Trockene Zeiten sind hungrige Zeiten

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Trockene Zeiten sind hungrige Zeiten

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Der mittlere Westen, der “Brotkorb Amerikas” durchleidet die schlimmste Trockernheit seit mehr als 50 Jahren. Ihr Mais ist schon auf halber Höhe verdorrt. Gut die Hälfte der vom Getreideanbau lebenden Counties in den USA musste bereits zu Notstandsgebieten erklärt werden. Die vergangenen 6 Monate waren die wärmsten und trockensten seit Jahrzehnten. Drastische Ernteausfälle treiben die Preise in die Höhe. Um 29 % für Mais, um 17 % für Soja und für das Brotgetreide Weizen gar um 41 %!

Und die Aussichten für das kommende Jahr lassen keine Hoffnung aufkommen. Trockene Felder bringen darbendes Vieh. Folglich steigen auch die Fleischpreise. Durch Futtermangel auf der einen – und steigende Nachfrage auf der anderen Seite.
In Schwellenländern wie Indien oder Brasilien können sich immer mehr Menschen Fleisch leisten.

Dafür wird aber ein Mehrfaches an Futtergetreide gebraucht. Durch die Verarbeitung von Feldfrüchten zu Biosprit werden die Nahrungsmittelpreise weltumspannend immer weiter in die Höhe getrieben. Und diese Produktion verstärkt den Anteil von Monokulturen, der Boden kann sich nicht mehr selbst regenerieren. Die Schwarzerdezone in der Ukraine und Russland liegt geografisch im gleichen Bereich wie Amerikas “Corn belt”. 2011 war hier die Ernte gut. Rund eine Million Tonnen Weizen konnten bis nach Iran verkauft werden.

In diesem Jahr freuen sich nur jene Bauern, die nicht alles gleich verkauft – sondern Reserven im Speicher gehalten haben. Bauer Wadim Martinow aus der Gegend von Uljanowsk an der Wolga zeigt sich zufrieden und will mit dem Verkauf noch warten, bis die Preise weiter steigen.

Vor allem für Kleinbauern in Afrika ist diese Entwicklung schlicht eine Katastrophe. Die Weltbank spricht in ihrem Bericht schon von einer drohenden Hungersnot für Hunderttausende in den ärmsten Ländern. Hungerrevolten werden da nicht mehr lange auf sich warten lassen. Global denken, die Zukunft sichern, das wird nicht gehen, wenn der Profit entscheidet, ob auf den Feldern Früchte für den Teller oder für den Tank heranwachsen.

Was den Autofahrern in den satten Industrieländern als Vorteil angepriesen wird, verdammt die Menschen anderswo zum Hungern, verringert weltweit lebenswichtige Ressourcen.