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Waffen überall - das gefährliche Erbe des Sieges über Gaddafi

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Waffen überall - das gefährliche Erbe des Sieges über Gaddafi

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Es war ein blutiges Wochenende zu Monatesbeginn in Libyen. Sprengsätze explodierten in der Hauptstadt ebenso wie im einstigen Zentrum des Aufstandes, der ost-libyschen Metropole Bengasi.

Keine angenehme Begleitmusik für die neuen politisch Verantwortlichen im Lande. Die müssen nicht nur die von Gaddafi vernachlässigten staatlichen Institutionen mit neuem Leben füllen – sie müssen auch die während des Aufstandes entstandenen Milizen entwaffnen. Die neuen legal bewaffneten Sicherheitskräfte finden praktisch jeden Tag irgendwo Waffenlager und Sprengstoff.

Ende Juli holten sie aus dem Keller eines Hotels in Bengasi zehn Kilo Sprengstoff, wenige Tage zuvor waren 40 selbstgebaute Bomben in Privathand entdeckt worden.

Der Nationale Übergangsrat hatte sich alle Mühe gegeben, die Helden des Aufstandes gegen Gaddafi in die neue Gesellschaft einzugliedern. Aber wie soll das gehen in einem Land, in dem es keineswegs genug Posten gibt, mit denen die Kämpfer zufriedengestellt werden können.

Wie soll es auch so ein junger Mann verkraften:
Aus einem “Niemand” war er über Nacht zum Helden der Nation geworden – und nun soll er die Waffen abgeben, mit denen er sich erstmals in seinem Leben so richtig stark und respektiert gefühlt hatte? Hinzu kommen die unter Gaddafi nur mit Vetternwirtschaft und Gewalt unter der Oberfläche gehaltenen Stammesrivalitäten.

Da haben nicht wenige Stammesführer die Gelegenheit genutzt, um sich ein eigenes Waffenlager anzulegen. Nun wird es von der Stärke der neuen demokratischen Institutionen abhängen, ob diese Waffen genutzt – oder eingesammelt werden. Und dann sind da auch noch die vagabundierenden Söldner. Gaddafi hatte viele angeworben und bewaffnet – nun suchen diese Männer nach neuen Gelegenheiten, um ihren Lebensunterhalt mit der einzigen Sache zu finanzieren, die sie gelernt haben. Man findet diese Leute inzwischen quer über alle Grenzen hinweg in anderen afrikanischen Ländern. Bei den Islamisten in Mali zum Beispiel.