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Mordprozess gegen Gattin eines chinesischen Spitzenpolitikers


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Mordprozess gegen Gattin eines chinesischen Spitzenpolitikers

Der Mordprozess gegen die Ehefrau des gestürzten chinesischen Spitzenpolitikers Bo Xiliai dauerte nur einen Tag. Der 53 Jahre alten Gu Kailai wird vorgeworfen, zusammen mit ihrem Hausangestellten einen britischen Geschäftsmann getötet zu haben. Ein Kriminalfall, wie man ihn vor einem Gericht der Volksrepublik China noch nicht erlebt hat. Die Funktionärsgattin, von Beruf Anwältin, war unter dem Spitznamen “chinesische Jacqueline Onassis” bekannt. Der Briten Neil Heywood galt erst als Freund der Familie, dann soll es Streit gegeben haben, woraufhin sie ihn im November 2011 vergiftet haben soll. Das Urteil soll später verkündet werden. Bei den Leuten auf der Straße vor dem Gerichtsgebäude scheiden sich die Geister. Ein Mann meint, man hätte ihr doch das Recht einräumen sollen, ihren Anwalt selbst zu wählen oder sich auch selbst zu verteidigen. Ein anderer erklärt, nachdem einmal ihre Schuld festgestellt wurde, sollte sie das Urteil akzeptieren. Und sie sollte wie jeder andere Bürger vor Gericht behandelt werden.

Der Prozess fand nicht am Ort des Geschehens statt. Verhandelt wurde weit entfernt in einer anderen Provinz. Es heißt, die Parteiführung hätte befürchtet, dass der Einfluss der lange Zeit ersten Familie von Chongqing sich immer noch auf Entscheidungen der dortigen Richtiger auswirken könne. Josef Cheng, Professor von Hongkong City University, hält es für unwahrscheinlich, dass die Höchsstrafe an ihr vollstreckt werde. Er meint, wenn sie kooperiere und auf Rechtsmittel verzichte, könnte ihr die Todesstrafe erspart werden.
All das Aufsehen erregt der Fall wegen des Ehemannes der Angeklagten. Bo Xilai war ein mächtiger Mann, bevor er im Frühjahr als Chef der kommunistischen Partei in der ebenso wie die Hauptstadtregion einem Sonderregime der Parteiführung unterstehenden Großstadt Chongqing abgesetzt wurde und auch seinen Sitz im Politbüro verlor. Kritiker bringen all das mit dem für Herbst angekündigten Generationswechsel in der Führungsspitze in Verbindung.
Professor Yang Zhaouhui von der Pekinger Universität verweist auf die Auswirkungen, die das auf Volkes Empfindungen haben könnte. Er hält es für möglich, dass Ansehen und Gewicht der kommunistischen Partei bei den Massen leiden könnten, wenn die erst einmal alle Details dieses Falles erfahren. Dann könnte Zweifel an der Legitimität der Vorherrschaft der Partei aufkommen.
Seit dem Prozess gegen die sogenannte “Viererbande”, die für die Gewalttaten während der “Kulturrevolution” der 60er Jahre verantwortlich gemacht wurde, ist das Ansehen der Partei nicht mehr so erschüttert worden.
Damals wurde sogar die ehemals übermächtige Ehefrau von Mao verurteilt, um die Herrschaft der Partei zu retten.

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