Eilmeldung

Eilmeldung

Kairo: Militärrat unblutig entmachtet!

Sie lesen gerade:

Kairo: Militärrat unblutig entmachtet!

Kairo: Militärrat unblutig entmachtet!
Schriftgrösse Aa Aa

Die wichtigste Meldung des Tages in allen Medien Ägyptens lautet: Es war ein Machtwechsel ohne Putsch!!!! So etwas kann in einem noch vor anderhalb Jahren von diktatorisch harter Hand geführten arabischen Land gar nicht hoch genug bewertet werden.

Der direkt vom Volk gewählte Staatspräsident Mohammed Mursi hat überraschend den Chef des bis dahin mächtigen Militärrates, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi nebst Generalstabschef Sami Anan in den Ruhestand geschickt. Der “Mann auf der Straße” kommentiert:
“Die führende Rolle der Militärs ist vorbei und Ägypten kann jetzt zu einem zivilen Staat werden, in dem jeder seine Rechte wahrnehmen kann.”
Der nächste beginnt noch mit einem Loblied auf die Militärs, weil sie das Land durch schwierige Zeiten geführt hätten. Aber dann meint auch er: “Mit Blick auf kommende Zeiten brauchen wir ganz unbedingt einen Wandel, der in allen Bereichen vollzogen und auch kontrolliert wird.” Rückblende. Am 30. Juni übergab der Chef des Militärrates, der 76jährige Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, dem vom Volk direkt gewählten Präsidenten die Insignien der Macht. In der Reihe der Generäle stand auch der nun ebenfalls in den Ruhestand versetzte Generalstabchef Sami Anan. Zuvor hatte der Militärrat noch schnell die Macht des Präsidenten beschnitten, als sich der Sieg des Muslimbruders Mursi abzeichnete. Um so überraschender, wie es Präsident Mursi so schnell und so lautlos gelang, sich die Macht zurückzuholen.

In einer Rede am Sonntagabend erklärte er dazu:
“Diese Entscheidungen hatten nicht den Zweck bestimmte Personen oder Institutionen zu beschämen. Mir ging es dabei um das Wohlergehen der Nation und des Volkes.” Ausdrücklich würdigte er die Armee mit den Worten, er werde sie stets bei der “Erfüllung ihrer geheiligten Aufgabe zum Schutze der Nation” unterstützen. Seit die national gesinnten Offiziere unter Nasser 1952 die Macht übernahmen und den König absetzten, ist Mursi der erste Zivilist im Präsidentenpalast. Entsprechend schwer wiegt es, dass er sich die Macht vom Militär zurückholen konnte, ohne dass in Kairo Panzer auffuhren wie zuletzt im Juni, als der Militärrat das gewählte Parlament mit der den Militärs suspekten Mehrheit der islamistischen Muslimbruderschaft auflöste. Kenner der Szene vermuten sogfältig abgewogene Absprachen zuvor. So hat der Präsident die entmachteten Spitzenmilitärs mit Orden behängt und zu seinen Beratern ernannt, wodurch sie Gesicht wahren können. Und zum auf der Stelle vereidigten neuen Armeechef berief er den eine Generation jüngeren bisherige

Chef des Militärgeheimdienstes. Das hat den praktischen Vorteil, der neue oberste General kennt aus seiner bisherigen Arbeit das Offizierscorps sehr gut, weiß genau, von wem Loyalität zu erwarten ist und von wem nicht. Mursi setzt auf die jüngere Generation in der Armee, die nicht mehr selbst in den Krieg gegen Israel gezogen ist und auch nicht mehr so eng mit dem alten Mubarak-Regime verwoben.