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Innovatives Schuldesign

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Innovatives Schuldesign

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Die Architektur von Schulgebäuden kann große Auswirkungen auf das Lernverhalten haben. Um die besten Resultate zu erzielen, reicht es nicht irgendein Gebäude hinzustellen. Man braucht das richtige, das passende.

Die heutigen Architekten entwerfen keine schlichten Schulen mit einfachen Klassenzimmern mehr.

Die Gebäude sollen einen positiven Effekt auf das Lernen der Kinder ausüben. Wir schauen nach Schweden, Burkina Faso und Abu Dhabi, wo einzigartige Schulprojekte, die ihresgleichen suchen, gebaut wurden.

Die Vittra-Schule in Schweden ähnelt mehr einem WissenschaftsCampus als einem einfachen Schulgebäude. Das Design soll die Schüler zu einem freien, ungezwungenen Lernen animieren. Durch Selbsterfahrung und Experimente soll die Kreativität der Kinder gefördert werden.

Die Schule befindet sich Süden der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

Es gibt keine Wände und dementsprechend keine Klassenzimmer. Die jeweiligen Klassen sind nur durch mobile Markierungen getrennt.

Für Lehrerin Frida Monsen ist dies alles andere als ein Nachteil:

“Viele meiner Schüler finden es großartig, weil sie sich nicht eingesperrt fühlen. Sie sind in ihrem Bewegungsraum nicht eingeengt. Die meisten meiner Schüler sagen sogar, dass sie sich hier besser konzentrieren können, weil sie hier nicht immer gleich an das Ende der Unterrichtsstunde denken.“

Ein Eisberg aus Pappe kann als Kino, Ruheraum oder eben als Klassenzimmer dienen. Die Schüler sind alle begeistert, von ihnen will keiner mehr auf eine normale Schule gehen, wie uns die neunjährige Filippa Hansen erklärt: “In einer normalen Schule würde ich mich sonst sehr eingeengt fühlen, da so viele Schüler in einem Raum sind. Hier dagegen kann man sich frei fühlen.”

Die Treppenaufgänge können in verschiedenen Größen als Sitzbereich genutzt werden, in dem Lehrer und Schüler miteinander arbeiten können.

Kleine Nischen können als Ruhe- und Lernbereich genutzt werden.

Die Raumaufteilung ist eines der wichtigsten Charakterristika der Schule. Darüber hinaus bekommt jedes Kind seinen eigenen Laptop. Von außen sieht das Schulgebäude nicht spektakulär aus. Im Gegenteil, es erscheint ziemlich schlicht. Das Besondere liegt eben nicht im Äußeren, sondern im Inneren der Vittra-Schule im Süden Stockholms. Und natürlich ist es in Zeiten knapper Kassen auch günstiger, nur das Innere des Gebäudes zu verändern, als gleich eine neue Schule zu errichten, wie uns die Architektin Rosa Bosch mitteilte: “In der
Vittra-Schule haben wir unterschiedliche Prioritäten gesetzt. Wir haben uns für ein komplett neues Innendesign entschieden, anstatt gleich ein neues Gebäude hinzustellen. Gewissermaßen wurde das Geld also mehr in Stühle als in Backsteine investiert.”

Die besondere Raumaufteilung ist für die Schüler eine große Hilfe, denn so kann man für sie das beste Lernumfeld schaffen. Die Schule kann mit Hilfe des Designs ihr Potenzial voll ausschöpfen.

Das freut auch die Eltern der Kinder, wie wir von Micael Gustavsson erfahren, der seine Tochter auf die Vittra-Schule schickt: „Ich habe eine siebenjährige Tochter. Für sie ist die Schule wie ein Spielplatz. Man hat hier eine stimulierende Atmosphäre, die Kinder genießen das. Es ist echt schwer, sie aus der Schule rauszubekommen, wenn ich sie abhole.”

Der Architekt der Gando-Grundschule in Burkina Faso hat das Projekt genutzt, um zu zeigen, welchen Vorteil es hat, lokale Materialien und Arbeitskräfte für den Bau der Schule zu nutzen. Er hofft, dass sein Projekt als Beispiel für nachhaltige und schonende Bauprojekte dienen kann.

Gando liegt rund 200 kilometer entfernt von der Hauptstadt Ouagadougou. Mehr als 400 Kinder besuchen die Grundschule. Gebaut wurde sie aus lokalen Materialien und kompakten Lehmblöcken. Entworfen und finanziert wurde das Projekt vom Burkiner Francis Kere, der in Deutschland lebt und in Berlin studiert hat. Er hatte vor allem ein Ziel, wie er erzählt: “Eine solche Infrastruktur hilft den Analphabetismus zu verringern, denn ohne Bildung kann kein echter Fortschritt stattfinden. Auch war es für mich eine Chance, eine neue Art von Architektur zu zeigen. Ich konnte das, was ich in Europa gelernt habe, anwenden und zeigen, dass man selbst in einem Dorf das Umfeld und die Lernbedingungen für Kinder und Lehrer erheblich verbessern kann.”

Die Gando-Grundschule zeichnet sich durch eine hohe Funktionalität aus. Sie hat ein integrierendes und offenes Raumkonzept. Das Gebäude ist mit einem einfachen, aber effektiven Lüftungssystem ausgestattet. Das alte Schulgebäude befindet sich direkt daneben. Für die neunjährige Schülerin Zouwairatou ist klar, welches die besser Schule ist: „Ich bevorzuge die neue Schule, weil sie schöner ist. Außerdem ist die Lüftung bei der Hitze hier viel besser. Und wenn es dunkel wird, kann man die Lampen anmachen. Es ist viel einfacher hier zu lernen, weil hier nicht so eine Hitze herrscht. Das Gehirn wird hier nicht überhitzt.”

Auch für Lehrerin Sadio liegen die Vorteile klar auf der Hand:

“Hier ist gut gelüftet, man hat also keine Probleme, bei der Hitze zu unterrichten. Die Lehrer sind sehr zufrieden hier zu arbeiten, das merkt man auch an den Resultaten und der Atmosphäre. Im Vergleich zum alten Gebäude ist es hier viel angenehmer. Dort war es viel schwieriger zu unterrichten.”
Dieses Jahr hat die Schule eine erfolgreiche Examensquote von 74 % erreicht. Damit liegt sie klar über dem Landesdurchschnitt, der bei 68 % liegt. Dies sorgt natürlich für besonderen Stolz bei den Dorfbewohnern, die wie Issouf alle mitgeholfen haben: “Wir haben beim Transport der Baustoffe geholfen. Wir haben bei allem mit angepackt. Wir wissen, dass das wirklich wichtig für uns ist.”

Die von Francis Kere entworfene Schule hat sogar den Aga Khan-Architektur-Preis gewonnen. Und das ist noch nicht das Ende der Entwicklung in Gando. Denn demnächst sollen noch eine Bibliothek und eine weiterführende Schule enstehen.

Die Architekten, die die Mohammad Bin Mubarak-Schule in Abu Dhabi entworfen haben, wollten sicherstellen, dass die Kinder sich mit Umweltthemen auseinandersetzen. In einem Schulsystem, das sonst sehr traditionell geprägt und eher in sich gekehrt ist, will man die Kinder dazu bringen über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken.

Eine nachhaltige Entwicklung auf allen Ebenen, das ist die Vision Abu Dhabis, die es bis zum Jahr 2030 zu erreichen gilt. Die Mohammad Bin Mubarak-Schule ist eines von mehreren Bildungsprojekten, das helfen soll, die 2030-Vision zu erreichen. Der Öko-Schulhof ist nicht nur ein umweltfreundlicher Spielplatz, wie uns die Architektin Aisha Al Blushy erklärt: „So können wir den Kindern die Wichtigkeit der Umwelt und der Landwirstchaft näher bringen. Das Aufwachsen in einer Wüstenumgebung bedeutet, dass man die Aufmerksamkeit der Schüler auf effiziente und schonende Anbau-Methoden lenken muss. Es geht um Natur- und Tierschutz. So zeigen wir den Kinder auch, dass es absolut erstrebenswert ist, die Lebensräume von Tieren, wie z. B. Vögeln, zu schützen.“

Die Kontrolle der klimatischen Bedingungen in dem Golf-Staat ist ein Hauptanliegen, zumal im Sommer Temperaturen von über 50 Grad erreicht werden können. Das Multi-Millionen-Projekt wurde exklusiv von der Architektengruppe Broadway Malyan für den Abu Dhabi Education Council entworfen. Es wird eine spezielle Glasfassade genutzt, die den Lichteinfall und die Temperatur regelt.

Welche Auswirkungen dies auf den Lernprozess der Kinder hat, erklärte uns die Rektorin Fatima Al Bastaki: „Als die Kinder das erste Mal das nachhaltige System der Schule, z.B. Solar-Panels sahen, war das schon ziemlich seltsam für sie. Wir haben dann versucht, das, was die Kinder sehen, mit wissenschaftlichen Experimenten und naturwissenschaftlichen Projekten zu verknüpfen. Und das verstärkt dann das Umweltbewusstsein der Kids.“

Grün zu denken ist sehr wichtig. Genau wie Kritikbewusstsein, welches eine Grundvoraussetzung in unserer modernen Welt ist. Die Bin Mubarak- Schule folgt den neuesten Lehrmethoden und hat dafür neue Strukturen eingeführt. Das Innendesign soll z. B. die traditionelle Raumaufteilung aufbrechen. Außerdem wird die Co2-Konzentration elektronisch überwacht, damit sich die Schüler besser konzentrieren können.

Über die Auswirkungen der Umwelt auf den Lernprozess ist man sich absolut im Klaren, wie die Beraterin Camila Benbow von der Vanderbilt University klarstellt: „Unsere Umwelt hat gewaltige Auswirkungen auf uns. Wenn man sich in einer freundlichen und offenen Atmosphäre bewegt, fällt einem das Arbeiten oder das Lernen viel leichter. Man ist kreativer und viel entspannter.

Der Abu Dhabi Education Council setzt große Hoffnungen in die kommenden Generationen, die diese Projekte und die damit verbundene Strategie weiter umsetzen sollen, eine nachhaltige, effiziente und umweltschonende Zukunft zu schaffen. 2030 könnten diese Kinder die treibende Kraft dafür sein.

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