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Tunesische Frauen gehen für Gleichberechtigung auf die Straße

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Tunesische Frauen gehen für Gleichberechtigung auf die Straße

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Demonstration in Tunis. Für die Bewahrung von Frauenrechten. Denn die sehen viele Tunesierinnen im Entwurf für die neue Verfassung gefährdet.
Die islamistische Regierungspartei will nur festschreiben lassen, dass Frauen und Männer “sich ergänzen”. Kein Wort von Gleichberechtigung!
“Wir wollen zeigen, dass die tunesische Frau nicht nur eine Ergänzung zum Mann ist”, sagt eine Demonstrantin; “sie ist eigenständig und ihm ebenbürtig. Wir Frauen in Tunesien arbeiten ebenso wie die Männer, wir haben ebenso unseren Platz in der Gesellschaft, und wir werden nie hinnehmen, dass man uns nur als Ergänzung sieht.”
Der gleichberechtigt mitdemonstrierende Mann spricht auch von der Sorge, eine seit 50 Jahren gewachsene Kultur der Gleichberechtigung könnte verloren gehen.
Das Ursprungsland des “arabischen Frühlings” galt auch schon unter Langzeitherrscher Ben Ali bei Frauenrechten als eines der fortschrittlichsten Länder der arabischen Welt. Die Polygamie ist schon lange verboten. Heirat und Ehescheidung unterliegen klaren gesetzlichen Regeln, die für beide Geschlechter gleich sind. Es gelten gleiche Rechte im sozialen Bereich wie auch bei Arbeit und Bildung. Es gibt bisher weder Bekleidungsvorschriften noch Einschränkungen bei der Berufswahl. Im Bereich der höheren Bildung ist der Anteil der jungen Frauen mit 59,5 % sogar höher als jener der jungen Männer. Im tunesischen Parlament sitzen anteilig mehr Frauen als etwa im französischen. Das schließt leider nicht aus, dass Frauen häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Allerdings betrifft diese emanzipatorische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten nur den gebildeten Teil der Frauen, die zumeist in den Städten lebten. Der traditionelle Platz hinter Vater, Ehemann, Bruder oder Sohn in der islamischen Gesellschaft gilt vor allem für Frauen aus bildungsfernen Schichten auf dem Lande.
Und dorthin wollen sich die emanzipierten Frauen nicht zurückdrängen lassen. Das machten sie bei dieser Aktion zu ihrem “Tag der Frauenrechte” unmissverständlich klar. Die Generalsekretärin der “Republikanischen Partei”, Maya Jeribi, die in der provisorischen Nationalversammlung sitzt, spricht von einer klaren Botschaft an jene, die schon Erreichtes zurücknehmen wollen. Die Frauen, so betont sie, werden ihre Rechte zu verteidigen wissen. Das kann die islamistische Regierungspartei bei den nächsten Wahlen im kommenden Frühjahr gefährlich viele Stimmen kosten.