Eilmeldung

Eilmeldung

Umstrittenes Gedenken an Weltkriegsende in Asien

Sie lesen gerade:

Umstrittenes Gedenken an Weltkriegsende in Asien

Schriftgrösse Aa Aa

Der 15. August ist in Ostasien ein umstrittener Tag:
An diesem Tag kapitulierte 1945 Japan, der Zweite Weltkrieg war faktisch zu Ende. Die Nachbarländer sehen diesen Tag daher als Tag der Befreiung.

Im Yasukunischrein in Tokio wird der Seelen der Kriegstoten gedacht – darunter aber Kriegsverbrecher aus dem Weltkrieg. Auch ein Minister der Regierung ist an diesem Tag gekommen: Und wenn das gerade an einem 15. August geschieht, ist für Entrüstung gesorgt – vor allem in China und in Südkorea, die unter
japanischer Herrschaft schwer gelitten haben.

Diese Erinnerung wird gerade in Südkorea lebendig gehalten. Ein besonderer Aspekt sind dabei die so genannten Trostfrauen, die den japanischen Soldaten als Sexsklavinnen zu Willen sein mussten.

Südkoreas Staatspräsident Lee Myung Bak fordert am Jahrestag der Befreiung erneut, Japan solle sich dieser Frage stellen. Es geht um geschätzt 200.000 Frauen aus Südkorea und anderen Ländern. Südkorea will, dass Japan die historische Verantwortung übernimmt und die Frauen
entschädigt.

Das Klima zwischen beiden Ländern ist aber noch einmal deutlich abgekühlt: Japan beschwert sich seinerseits bitter darüber, dass Südkoreas Präsident
letzte Woche eine Inselgruppe besucht hat, die auch von Japan beansprucht wird. Es hat deshalb unter anderem seinen Botschafter zurückgerufen und
droht mit weiteren Maßnahmen.

Seoul (dpa) – Südkoreas Präsident Lee Myung Bak hat Japan zu einem verantwortungsvollen Umgang mit seiner Kriegsvergangenheit aufgerufen. In einer Rede zum 67. Jahrestag der Befreiung Koreas von
der japanischen Kolonialherrschaft (1910 bis 1945) nannte Lee am Mittwoch die Zwangsrekrutierung koreanischer Frauen zu Sexdiensten in japanischen Soldatenbordellen als Angelegenheit, die über die
Beziehungen zwischen beiden Ländern hinausgehe. Es habe sich um einen Verstoß gegen die allgemeinen Menschenrechte gehandelt. “Wir fordert die japanische Regierung auf, in diesem Zusammenhang verantwortungsvolle Maßnahmen zu ergreifen”, sagte Lee. Japan sei ein enger Nachbar, doch würden ungelöste historische Probleme den gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft beider Länder wie auch Nordostasiens behindern.

Lees Forderung ist nicht neu. Doch hatte er zuletzt einen überraschenden Besuch auf einer auch von Japan beanspruchten Inselgruppe nach Berichten südkoreanischer Medien auch damit erklärt, dass er Tokio gegenüber Entschlossenheit in der Frage der früheren Sexsklavinnen demonstrieren wollte. Durch den Besuch war der Streit um die im Japanischen Meer (Ostmeer) gelegenen Felseninseln zwischen
den beiden wirtschaftlich stark miteinander verflochtenen Nachbarländern neu entflammt.

Die Koreaner fordern unter anderem, dass Japan die historische Verantwortung für die “Trostfrauen” übernehmen und diese entschädigen müsse. Historiker schätzen, dass 200 000 Frauen aus Korea,
China und anderen Ländern vom japanischen Militär als Prostituierte während des Zweiten Weltkriegs ausgenutzt wurden.