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Julian Assange & Wikileaks: Chronik der Ereignisse

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Julian Assange & Wikileaks: Chronik der Ereignisse

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Dezember 2006: Julian Assange, einst australischer Computerhacker, gründet mit Mitstreitern das Internetportal wikileaks.org. Die Seite soll als Plattform für Informanten dienen, die hier geheime und vertrauliche politische Dokumente hochladen und dabei ihre Anonymität wahren können.

Januar 2008: Wikileaks deckt auf, dass die Schweizer Bankengruppe Julius Bär an Geldwäsche beteiligt war. Die veröffentlichten Dokumente sollen zeigen, dass die Bank Kunden dabei half, Geld über die Kaimaninseln zu waschen. Dies führte zu der ersten von zahlreichen juristischen Klagen gegen Wikileaks.

November 2009: Wikileaks veröffentlicht ein umfassendes Archiv an SMS-Nachrichten, die am 11. September 2001 in den USA aufgezeichnet wurden, dem Tag der Flugzeuganschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington.


Collateral Murder Wikileaks par wikileaks

April 2010: Wikileaks veröffentlicht ein Video eines US-Kampfhubschrauber-Angriffs auf Bagdad und der daraus resultierenden Opfer. Der US-Soldat Bradley Manning wird für die Zuspielung der Informationen verantwortlich gemacht und festgenommen.

Juli 2010: Wikileaks veröffentlicht Dokumente, die dem US-Militär zugeordnet werden und Details über zivile Opfer im Irak-Krieg sowie Verbindungen zwischen Pakistan und den Taliban enthüllen sollen.

August 2010: Ein schwedisches Gericht stellt Haftbefehl gegen Assange aus, da ihm die Vergewaltigung von zwei Schwedinnen zu Last gelegt wird. Sie sind ehemalige Angestellte von Wikileaks. Der Haftbefehl wird dann jedoch bis November ausgesetzt.

Oktober 2010: Wikileaks veröffentlicht etwa 400.000 Berichte von amerikanischen Soldaten aus den Jahren 2004 bis 2009. Diese belegen, dass die USA bewusst Folter von irakischen Behörden an Zivilisten ignorierten.

November 2010: Die schwedische Anklage erlässt erneut europäischen Haftbefehl gegen Assange. Zehn Tage später veröffentlicht Wikileaks Dokumente, die als Depeschen von US-Diplomaten bezeichnet werden. Es soll sich um Berichte von US-Botschaften handeln, in denen weltweit Regierungen beurteilt werden.

Dezember 2010: Assange stellt sich der Polizei in London und wird in Gewahrsam genommen, während eine Gerichtsentscheidung über das Auslieferungsverfahren in Schweden noch aussteht. Einige Tage später wird Assange gegen Kaution freigelassen. Das Gericht macht ihm zur Auflage, die Villa auf dem Gelände eines Unterstützers in Ostengland nicht zu verlassen. In Interviews sagt er, dass die Missbrauchsvorwürfe Teil einer Kampagne gegen ihn sind.

Februar 2011: Das britische Gericht entscheidet, dass Assange an Schweden ausgeliefert werden kann, um dort wegen der Vergewaltigungsvorwürfe angeklagt werden zu können. Der Richter weist Behauptungen Assanges Anwalt zurück, wonach seinem Angeklagten in Schweden kein fairer Prozess gemacht werden würde. Der 39-Jährige bestreitet die drei Vorwürfe sexuellen Missbrauchs und einen Vergewaltigungsvorwurf, welche sich im vorausgegangenen Jahr in Stockholm ereignet haben sollen.

Juli 2011: Assange legt gegen die Auslieferungsentscheidung Berufung ein.

September 2011: Eine von Assange nicht autorisierte Biographie wird in England veröffentlicht. Darin leugnet er alle Missbrauchsanschuldigungen.

Oktober 2011: Assange kündigt an, dass vorübergehend keine Dateien mit Depeschen von US-Diplomaten auf Wikileaks veröffentlicht werden, um sich auf die Beschaffung von Geldmitteln konzentrieren zu können. Grund sei der Rückgang von 95 Prozent der Einnahmen, die Zahlungsabwickler wie MasterCard und VISA Spendengelder blockierten.

November 2011: Der Das britische Gericht weist Assanges Widerspruch gegen seine Auslieferung zurück.

Januar 2012: Assange zieht vor die nächste Instanz und klagt vor dem britischen Supreme Court gegen die Auslieferung.

Mai 2012: Der Supreme Court weist Assanges Einspruch zurück. Demnach könnte er an Schweden ausgeliefert werden. In letzter Instanz stünde ihm noch der Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte offen.

Juni 2012: Assange sucht in der Botschaft von Ecuador Schutz und bittet das südamerikanische Land um Asyl. Ecuadors Außenminister kündigt an, dass über man das Ersuchen vor dem Hintergrund internationaler Gesetze entscheiden wird.

28. Juni 2012: Die britische Polizei fordert Assange auf, sich dem Auslieferungsverfahren zu stellen.

29. Juni 2012: Assange lehnt dies mit der Begründung ab, man wird ihn festnehmen, sobald er die ecuadorianische Botschaft verlasse. Ecuador verschiebt die Entscheidung über das Asylgesuch.

Juli 2012: Wikileaks heuert den spanischen Menschenrechtsrichter Baltasar Garzon an. Er soll die Verteidigung von Assange anführen. Garzon soll Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London getroffen haben.

August 2012: Großbritannien droht Ecuador, man könne der Botschaft den diplomatischen Status entziehen und Assange herausholen, sollte Assange nicht der britischen Polizei übergeben werden. Ecuador verurteilt diese Drohung und kündigt wenige Stunden später an, dass man Assange politisches Asyl gewähren wird.