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Finnland: Notfallplan bei Euro-Crash?

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Finnland: Notfallplan bei Euro-Crash?

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Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja hat Pandoras Büchse geöffnet – und dafür kräftige Schelte kassiert. Finnland sei im Fall eines Auseinanderbrechens der Eurozone vorbereitet, hatte Tuomioja gegenüber dem britischen “Daily Telegraph” erklärt, und: möglicherweise funktioniere die Eurozone besser ohne Euro. Finnlands Europaminister Alexander Stubb erklärte umgehend, sein Land sei dem Euro zu 100 Prozent verpflichtet.

Die Diskussion findet vor dem Hintergrund der wirtschaftlich starken Position Finnlands statt. Während Südeuropa unter der Eurokrise stöhnt, wächst Finnlands Bruttoinlandsprodukt in jedem Quartal weiter, während die Wirtschaft der Eurozone zuletzt schrumpfte, verzeichnete Helsinki noch immer ein Plus. Die finnische Staatsschuldenquote liegt weit unter jener der gesamten Eurozone, ebenso die Arbeitslosigkeit.

Dennoch wächst in Finnland die Euro-Skepsis. Denn etwa Schweden, das der Eurozone nicht beigetreten ist, verzeichnet deutlich stärkere Wachstumsraten, ebenso Dänemark und das Nicht-EU-Mitglied Norwegen. Und einige skandinavischen Währungen zeigen sich gegenüber dem Euro so stark wie seit Jahren nicht mehr. Erst vor kurzem machte die Citigroup einen eigenen Bonitätstest – mit interessantem Ausgang: Demnach würden Finnland und Deutschland ihr Triple-A verlieren – Schweden, Dänemark, Norwegen und die Schweiz aber nicht.

Die Diskussion über die Zukunft des Euro freilich beschränkt sich nicht auf Skandinavien: Aus Österreich kommt ein ähnlicher Vorstoß. Der dortige ÖVP-Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger forderte eine Neukonzeption der EU-Verträge, damit ein Land im Notfall auch ausgeschlossen werden könnte. Postwendend kam eine empörte Replik von SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann – aber das ficht Spindelegger nicht weiter an. Er erklärte vielmehr, es gehe darum, Eurozone und EU in eine gute Zukunft zu lenken. Und für die ihm vorschwebende “Stabilitätsunion” seien eben eine Reihe von Reformen notwendig.