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Zdravko Tolimir - das späte Urteil

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Zdravko Tolimir - das späte Urteil

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Was man an biografischen Daten im Internet über Zdravko Tolimir findet, ist eher spärlich. Als habe er vorher nicht gelebt, beginnt seine Biografie überall erst in den Jahren des Bosnienkrieges. Da war er schon Mitte 40. Als Offizier in der Armee der bosnischen Serben war er einer der sieben Stellvertreter des berüchtigten Radko Mladic. Tolimirs Aufgabengebiet war der Nachrichtendienst.

Was ihn nicht daran hinderte, sich persönlich an Morden an gefangen genommenen Männern muslimischen Glaubens zu beteiligen. Im Mai 2007 wurde der jahrelang Gesuchte gefasst, als er aus Bosnien kommend die Grenze nach Serbien überqueren wollte. Seit Februar 2010 wurde ihm vor dem “Internationalen Gerichtshof für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien” der Prozeß gemacht. Zur Last gelegt wurde ihm das Kommando bei mehreren Mordaktionen.

Eine Einheit unter seinem Befehl tötete auf dem Landgut Branjevo mehr als 1.700 Männer und Jugendliche. Er ließ am 23. Juli 1995 39 Einwohner von Srebrenica erschießen und zwei Tage später 9 Einwohner von Zepa. Zepa war im Sommer 1995 eine der drei letzten muslimischen Enklaven im ansonsten von Truppen der bosnischen Serben besetzten Ostbosnien. Die vertrieben im Juli 1995 die muslimischen Bewohner und töteten neun von ihnen. Bis heute ist es der “Vereinigung der Mütter von Srebrenica und Zepa” nicht gelungen, das Schicksal aller verschwundenen Angehörigen aufzuklären.

Immer noch werden Jahr für Jahr in der Gegend Überreste von Ermordeten entdeckt und identifiziert. Immer noch kommen Jahr für Jahr am Gedenktag neue Särge hinzu. Die Festnahme von Zdravko Tolimir wurde möglich, weil sich Serbien um Gespräche mit der Europäischen Union bemüht.

Und dafür ist die Zusammenarbeit mit dem internationalen Gerichtshof in Den Haag unerlässliche Voraussetzung.