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21 Jahre Haft für Breivik - Richterin stoppt Abschlusstirade

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21 Jahre Haft für Breivik - Richterin stoppt Abschlusstirade

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Er ist zu Ende, der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik. Zu 21 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilte ihn das Osloer Gericht. Gleichzeitig machten die Richter klar, dass sie den Mörder für zurechnungsfähig halten. Hätte man ihn, wie ein Gutachten befand, als geisteskrank eingestuft, wäre er in der geschlossenen Psychiatrie gelandet. Angehörige der Opfer und viele andere Norweger zeigten sich erleichtert.

Das Urteil, sagte die Vorsitzende Richterin Wenche Elizabeth Arntzen, sei einstimmig gefallen. Die Taten werte man als Terror, und für den habe der Verbrecher die volle Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig sagte die Richterin aber auch, dass eine Strafe nicht ausschließlich etwas Schmerzhaftes sein solle. Sie solle auch ein Weg zurück in die Gesellschaft sein. Und mit dem Urteil “unzurechnungsfähig” wäre Breivik dieser Weg versperrt worden. Dieser Satz wird bei vielen für Unverständnis gesorgt haben, angesichts der grauenhaften Taten und des abnormalen Weltbilds des Täters.

Mit einem Lächeln quittierte der 33jährige Breivik das Urteil, hatte er damit doch ein weiteres seiner Ziele erreicht: Nicht als geisteskrank zu gelten.

Immerhin attestierten die Richter ihm eine verwirrte, asoziale und narzisstische Persönlichkeit, und die stellte der reuelose Killer in seinem vermasselten Schlusswort eindrucksvoll unter Beweis.

Er erkenne das Gericht nicht an, ließ er wissen, deshalb werde er nicht in Berufung gehen, weil er das Gericht ja sonst anerkennen würde. Als er sich dann auch noch bei den militanten Nationalisten in Norwegen und Europa entschuldigen wollte, schnitt ihm die Richterin das Wort ab. Er solle nur sagen, ob er Berufung einlegen wolle, mehr nicht. Das schien ihn zu überfordern, also musste sein Anwalt Geir Lippestadt einschreiten: Nein, keine Berufung.

Noch einmal missbrauchte der Neonazi das Gericht für seine Show, noch einmal zeigte er seine an den Hitlergruß gemahnende Geste, dann wurde er abgeführt.

Künftig wird Breivik im Hochsicherheitsgefängnis in Ila einsitzen. Dort stehen ihm drei ganze Zellen zur Verfügung, eine davon wurde eigens für ihn zu einem Fitnessraum umgebaut. Täglich bekommt er ein Taschengeld von umgerechnet acht Euro und er erhält eine Gruppentherapie. Außerdem ließ er wissen, dass er drei Bücher schreiben und Politik studieren wolle. Viele Menschen in Norwegen sind empört, halten die Haftbedingungen für zu weich.

Ob der Verbrecher eines Tages wieder auf freien Fuß kommt, ist unklar. Die Sicherungsverwahrung wird alle fünf Jahre überprüft, so dass er theoretisch bis zu seinem Tod hinter Gittern bleiben könnte. Allerdings machte sein Anwalt bereits klar, dass Norwegen durchaus mit einer möglichen Haftentlassung rechnen müsse.