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Kontroverse Memoiren über Jagd auf Osama Bin Laden

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Kontroverse Memoiren über Jagd auf Osama Bin Laden

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Nur wenige Tage vor Beginn des Parteitags der Demokraten hat in den USA eine kritische Debatte über einen der spektakulärsten Erfolge von Präsident Barack Obama begonnen: die erfolgreiche Jagd auf Osama Bin Laden. Welchen Ausgang diese Debatte nimmt, ist noch offen. Eine Gruppe von Offizieren einer Spezialeinheit hatte bereits vor Wochen Obama mit der Begründung angegriffen, im Zusammenhang der medialen Darstellung der Operation gegen Bin Laden seien sicherheitsrelevante Details preisgegeben worden.

Jetzt geht ein ehemaliges Mitglied des Bin Laden-Exekutionskommandos mit einem Buch an die Öffentlichkeit, in dem die wohl einmalige Lebenserfahrung geschildert wird. Sein New Yorker Verlag, Dutton (Penguin-Gruppe), gab dem Autor das Pseudonym Mark Owen, doch Militärangaben zufolge handelt es sich beim Autor um den 36jährigen Matt Bissonnette, der nach Bin Ladens Tod seinen Dienst bei der Spezialeinheit der Marines quittiert haben soll.

Sein Buch unter dem Titel “No Easy Day” (deutsch: “Kein leichter Tag”) soll am 11. September in den Handel kommen, dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. Schon jetzt erzeugte die Veröffentlichung eine Kontroverse darüber, wie viele Details der Geheimoperation offen diskutiert werden dürfen. Zugleich wird über die Motive derjenigen spekuliert, die diese Details öffentlich machen.

Der Verlag gab eine Erklärung heraus und teilte mit, sein Autor habe als ehemaliger Marineinfanterist „mehr als zehn Jahre lang sein Leben für sein Land riskiert“. Die Entscheidung, Details über die Operation gegen Bin Laden zu erzählen, sei „äußerst mutig“ gewesen. Dutton erhofft sich einen großen Bestseller und erhöhte bereits die erste Druckauflage von 300.000 auf 400.000 Exemplare. Inzwischen steht „No Easy Day“ beim Online-Buchhändler Amazon.com nur mit den Vorbestellungen auf Platz eins – und verdrängte damit die millionenfach verkaufte Erotik-Triliogie „Fifte Shades of Gray“ auf Platz zwei. Dutton erklärte, der Autor wolle die Erlöse des Buchverkaufs karikativen Zwecken zugute kommen lassen.

Die US-Armee, die bereits die Kritik der früheren Spezialeinheits-Offiziere an Obama scharf zurückwies, reagierte auf die Nachricht der Buchveröffentlichung ausgesprochen gereizt. Der Chef der Spezialkräfte, Admiral Bill McRaven warnte seine Männer vor Ausflügen in die Memoirenliteratur und kündigte juristische Schritte gegen jeden an, der sicherheitsrelevante Informationen preisgebe, die aktive Operationen gefährden könnten. „Wir werden jede Möglickeit nutzen, Soldaten zur Verantwortung zu ziehen, einschließlich, falls angemessen, eine strafrechtliche Verfolgung“, schrieb McRaven in einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief an die Mitglieder der Spezial-Streitkräfte.

Im Verteidigungsministerium hieß es unterdessen, man habe das Buch noch nicht gelesen. Ein Sprecher des Pentagon erklärte aber am Freitag, er erwarte „sehr bald“ ein Buchexemplar zu bekommen. Das Ministerium werde danach entscheiden, ob gegen den Autor wegen des Verdachts auf Verbreitung geheimer Informationen vorgegangen werde.

Einige Beobachter fühlen sich an die letzlich erfolgreiche “Swift boat”-Kampagne aus dem Jahre 2004 gegen den damaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry erinnert. Eine Gruppe von Vietnam-Veteranen hatte damals Kerrys Vergangenheit als hochdekorierter Offizier diskreditiert.

Präsident Obama spielt bislang die Versuche, ihn als Oberbefehlshaber zu diskreditieren, öffentlich herunter. „Ich nehme diese Leute nicht sehr ernst“, sagte er einer Zeitung in Virginia. „Darunter ist jemand, der immer noch die Echtheit meiner Geburtsurkunde anzweifelt.“ Vielleicht sollte aber Buchautor Bissonnette Grund haben, beunruhigt zu sein. Sympathisanten von Al Qaida riefen auf Internetforen von Islamisten dazu auf, Bissonnette aus Rache an Bin Ladens Tod zu ermorden.