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Schlaflose Festivalnächte in Deauville

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Schlaflose Festivalnächte in Deauville

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Der nordfranzösische Badeort Deauville in der Normandie erlebt wieder einmal die spannendsten Tage des Jahres: Das Festival des amerikanischen Films. Die Verbindung zwischen Deauville und dem amerikanischen Kino existiert seit 37 Jahren. Das Besondere an Deauville ist, dass die Filme 24 Stunden am Tag gezeigt werden. Man kann um zwei Uhr Nachts ins Kino gehen, ebenso um fünf Uhr Morgens. Ein Fest für Hollywood-Fans!
Bruno Barde leitet das Festival seit 1995 und erklärt, warum diese Verbindung so gut funktioniert. “Deauville war einer der Strände der alliierten Landung in der Normandie, das ist von großer Bedeutung für die Amerikaner. Anne D’Ornano, die damalige Bürgermeisterin und Leiterin des Fesitvals, reiste in die USA und überzeugte die Amerikaner, nach Deauville zu kommen. Es ist ein einzigartiges Festival, das seit 37 Jahren existiert. Zehn Tage lang zeigen wir über 80 Filme, das Beste des amerikanischen Kinos, unabhängige Filme, anspruchsvolle Studioproduktionen, Dokumentationen, Fernsehserien. Wenn Sie zehn Tage lang mit dabei sind, wissen Sie alles über die amerikanische Gesellschaft. Kunst führt uns die Wahrheit der Welt vor Augen.”
Zu den Ehrengästen der 38. Festivalausgabe gehört Regielegende William Friedkin, der mit dem “Exorzisten” Filmgeschichte schrieb. Welchen hält er für seinen bedeutendsten Streifen? “Wahrscheinlich “The French Connection”. Vieles aus meinem Film finde ich in anderen Filmen wieder. Das ist auch in Ordnung so, ich empfinde das als eine Hommage, Filme erzeugen neue Filme. Ich habe viel bei anderen Regisseuren abgeschaut wie Alain Resnais, Jean-Luc Godard, Michelangelo Antonioni, Fellini und Ettore Scola”.
Ein anderer Ehrengast in Deauville ist Vollblutschauspieler Harvey Keitel. Gibt es für ihn einen Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Filmemachern? “Ganz ehrlich, ich hatte das Glück mit einigen der ganz Großen in Europa und Amerika zu arbeiten. Es gibt keinen substanziellen Unterschied zwischen den Individuen. Nur die Sprache ist anders, der Akzent.”
Harvey Keitel blickt auf über 40 Jahre Filmkarriere zurück und wirkte in Kultstreifen wie “Mean Streets”, “Taxi Driver” oder “Pulp Fiction” mit. Sein Name steht nun auch an einem Badhäuschen auf der berühmten Strandpromenade. So ehrt Deauville seine amerikanischen Stars.
Fünfzehn Beiträge zählt der Wettbewerb des Festivals. Mit dabei ist das Drama “For Ellen” von So Yong Kim mit dem bemerkenswerten Hauptdarsteller Paul Dano. “Das Drehbuch war sehr gut geschrieben und schon beim ersten Lesen war ich fasziniert”, sagt er. “Ich sah die Hauptfigur in der Ferne. Ich sollte viel Zeit mit dieser Rolle und mit mir selbst verbringen.” Der Streifen handelt von einem gescheiterten Musiker, der um das Sorgerecht für seine Tochter kämpft und sich um eine Beziehung zu dem kleinen Mädchen bemüht.
Unabhängiges Autorenkino zeigt Deauville und Blockbuster, wie “The Bourne Legacy”, den vierten Teil der erfolgreichen Bourne-Serie, mit neuer Besetzung: Jeremy Renner und Rachel Weisz. Der von Tony Gilroy inszenierte Thriller (deutscher Titel: “Das Bourne Vermächtnis”) kommt am 13. September in die deutschsprachigen Kinos.