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Wie in Frankreich Arbeitslosigkeit bekämpft wird

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Wie in Frankreich Arbeitslosigkeit bekämpft wird

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Nachdem Frankreich im August kollektiv in den Ferien war, wird der Schulbeginn alljährlich zum nationalren Ereignis. Alles beginnt neu – auch die Politik. Der Präsident besucht an diesem Tag eine Schule. Um angesichts seiner enorm gesunkenen Popularität eine positive Botschaft auszusenden, verkündete Francois Hollande, von den 60.000 neuen Jobs im Schulwesen, die er versprochen hatte, werden zu diesem Schulbeginn 1.000 realisiert. Er bezeichnet dem Umbau des Schulwesens als eine der Voraussetzungen für die Sanierung des Landes, als eine Investition, um den sozialen Zusammenhalt des Landes zu sichern. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nennt der Präsident eine dringende Aufgabe der Schule.
Frankreich kennt keine Berufsausbildung. Die Schulabgänger können nichts, wenn sie ihren ersten Job antreten. Sie müssen erst angelernt werden. Viele Unternehmer scheuen in der Krise das Risiko, diesen Jugendlichen einen unkündbaren Arbeitsvertrag zu geben.
Premierminister Jean-Marc Ayrault spricht von 3 Millionen Arbeitslosen insgesamt. Er wolle nicht der Regierungschef der strikten Sparmaßnahmen werden, weil sich die Politik schon am Beginn der Wahlperiode als Fehlschlag erweisten könnte. Für ihn gelte: man müsse Auswege finden.
Eigentlich wollte die neue Regierung das Haushaltsdefizit senken. Von derzeit 4,5% auf die vertraglich vereinbarten 3% im kommenden Jahr.
Um das zu erreichen, müssten 30 Milliarden Euro eingespart werden. Und dabei müsste die Wirtschaft um 1,2 % wachsen. Der Wirtschaftsjournalist Francois Lenglet beklagt aber das Stagnieren der Wirtschaft, was Arbeitsplätze vernichte, während jedes Jahr hunderttausend Jugendliche ohne jede Ausbildung auf den Arbeitsmarkt drängen. Für sie hat die Regierung ein Programm “Arbeitsplätze der Zukunft” beschlossen.
Das funktioniert wie alles in Frankreich allein mit staatlichen Subventionen. Die bekommen Unternehmen, die Jugendliche ohne Ausbildung einstellen. Hunderttausend im nächsten Jahr und dann nochmal 50.000. Kosten: 500 Millionen Euro allein im ersten Jahr. Und dann sind da noch die Nothilfen, mit denen im Wahlkampf von der Pleite bedrohte Unternehmen gerettet wurden.
Natürlich auch mit Steuermillionen, die dann anderswo fehlen.