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Schicksalswahl: Obama warnt vor Romney

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Schicksalswahl: Obama warnt vor Romney

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Vor vier Jahren wollten die Amerikaner einen Messias im Weißen Haus sehen, mittlerweile haben sie bemerkt, Barack Obama ist auch nur ein Mensch. Auch in Europa ist von der damaligen Obamania wenig zu spüren.

Auf dem Parteitag der Demokraten in Charlotte erinnerte Obama an seine außenpolitischen Erfolge: “Vor vier Jahren versprach ich den Krieg im Irak zu beenden. Und habe es getan. Ich versprach, dass wir uns wieder auf die Terroristen konzentrieren werden, die uns tatsächlich angegriffen haben und habe es getan. Wir haben den Aufschwung der Taliban in Afghanistan gestoppt. Und in 2014 wird unser längster Krieg beendet sein. Ein neuer Turm ragt in der New Yorker Skyline, Al-Quaida wird bald besiegt sein und Osama bin Laden ist tot.”

Obama kritisierte seinen Kontrahenten Mitt Romney für seine mangelnde außenpolitische Erfahrung. Er erinnerte an das Fettnäpfchen in das Romney
in London tappte, als er die Fähigkeit der Briten in Frage stellte, erfolgreiche Olympische Spiele zu organisieren: “Man nennt nicht Russland unseren Hauptfeind, Russland – nicht Al-Quaida – außer man ist geistig im Kalten Krieg hängengeblieben. Du bist wohl nicht bereit, für Diplomatie mit Peking, wenn Du nicht die Olympische Spiele besuchen kannst, ohne unseren engsten Verbündeten zu beleidigen.”

In zwei Monaten müssen die Amerikaner entscheiden, ob sie Obama mehr Zeit für die Einlösung all seiner Versprechen geben. In Deutschland wäre Obama der Sieg sicher, einer Umfrage zufolge würden 86 Prozent der Deutschen für den Demokraten stimmen.

euronews
Wir sprechen jetzt mit Christiane Amanpour, der in internationalen Angelegenheiten erfahrendsten amerikanischen Journalistin. Die beiden großen politischen Parteien in den USA haben ihre Wahlparteitage hinter sich. Nun warten Experten wie Wähler auf Schlussfolgerungen. Auch hier außerhalb der USA fragen wir uns, werden die amerikanischen Wähler den Demokraten oder den Republikaner im November zum Präsidenten wählen. Was sagen uns diese Nominierungsparteitage über die Lage im Land?

Christiane Amanpour:
Zuerst einmal sagen sie der Welt, dass jeder Kandidat ein öffentliches Gesicht hat, das er möglichst vorteilhaft präsentieren will. Da läuft alles nach Drehbuch ab. Nichts ist spontan
Die ganze theatralische Inszenierung ist wohlüberlegt. Bei dem eben beendeten Parteitag der Demokraten lief alles auf eine Mobilisierung der Basis hinaus. Dafür wurde viel Engagement und Energie verwendet. Man sah aber auch, wie jede Seite um eine klare Abgrenzung ihrer Politik vom politischen Gegner bemüht war. Präsident Obama und die Demokraten sagen, wir wollen unsere Bemühungen fortsetzen, um weiter hochzukommen, heraus aus den Tiefen, die wir eben verlassen haben. Sie sagen, wir sind mit dem Job noch nicht fertig. Wenn ihr uns feuert, jetzt, bevor wir fertig sind, dann bekommt ihr die gleichen alten Politik, die zu diesen Problemen geführt hat. Obama sagt auch, die Regierung könne nicht alles lösen. Aber man brauche die Regierung, um jenen zu helfen, deren Not am größten ist. Mit der gleichen Begründung kommen die Republikaner zu einem anderen Schluß: Weil die Arbeitslosenquote immer noch über acht Prozent liegt, die wirtschaftliche Erholung sich sehr fragil zeigt, wollen sie möglichst wenig Staat. Das waren die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Parteitagen.
Wenn es um Außenpolitik geht, hat natürlich der Amtsinhaber viel mehr Erfahrung. Er hat geschickt auf seine wichtigsten Erfolge verwiesen:
Osama Bin Laden getötet und viele Taliban- und Al Kaida-Kämpfer außer Gefecht gesetzt.

euronews
Ist Obama beschimpfen für Romney die beste Taktik bis November? Und ist die beste für Obama sein “Leute, habt Geduld”?

Christiane Amanpour
Ja, Obama niedermachen ist genau das, was die Republikaner jetzt tun. Sie machen das mit der Idee, da sei eine Regierung, deren Geldausgaben nicht mehr kontrolliert werden könnten. Sie tun das, indem sie sagen, die Welt und auch Amerika brauchten jetzt harte Haushaltskürzungen und Steuersenkungen, die nach ihrer Meinungs Jobs schaffen. Obama und die Demokraten sagen etwas völlig anderes. Nämlich, der Steuerhaushalt müsse in Ordnung gebracht werden. Sie sprechen nicht über umfangreiche Ausgaben. Sie sagen aber, sie brauchten auch einen gewissen Spielraum.

euronews
Wie überzeugend waren Demokraten und Republikaner auf ihren Parteitagen?

Christane Amanpour
Wenn man sich bei Obama die traditionellen Punkte anschaut, die für eine Präsidentenwahl entscheidend sind, dann sieht es für diesen Präsidenten nicht so gut aus. Wir wollen nicht vergessen: Seit dem 20.Jahrhundert sind nur zwei Präsidenten trotz einer Arbeitslosenraten über 7 Prozent wiedergewählt worden – Roosevelt und Reagan. Die Zeiten sind hart, was weder Obama noch andere Demokraten in ihren Reden zu verbergen versucht haben. Es gibt Hoffnung. Sie betonen, dass es die Republikaner waren, die das Land so runtergewirtschaftet haben. Sie sagen, wir können euch da wieder heraus helfen, wir können verhindern, dass die Rezession in eine Depression abgleitet. Aber wenn ihr uns jetzt stoppt, uns jetzt rausschmeißt, dann bekommt ihr das, was die Republikaner versprechen, das Gleiche, was wir schon mal hatten.