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Indien: Wie wachsender Wohlstand Einkaufgewohnheiten verändert

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Indien: Wie wachsender Wohlstand Einkaufgewohnheiten verändert

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Die überaus meisten Inder kaufen Tag für Tag den Kiranas ein. Das ist die dortige Version des “Tante Emma-Ladens”, betrieben oft von einer Familie, in der alle anpacken. Da gibt es auch nur 2 Eier, statt 6 im Pack, es wird nach Hause geliefert und natürlich kann immer bis Monatsende angeschrieben werden. Man kennt sich ja, oft schon seit Generationen.

Von rund 50 Millionen dieser Klein- und Kleinstläden leben Indien-weit rund 200 Millionen Menschen. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Landes zur ökonomischen Schwellenmacht gibt es in den besseren Vierteln auch schon große Shopping-Malls, Supermärkte nach westlichem Modell. Am Einzelhandesumsatz des ganzen Landes haben sie aber bisher nur einen Anteil von 5%. Hier kauft die Mittelkalssse, und die ist stark im Wachsen begriffen. Nach Angaben der Regierung beträgt der landesweite Einzelhandelsumsatz 278 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Handelskammer nennt die wesentlich höhere Zahl von 386 Milliarden Euro – und erwartet bis 2020 einen Zuwachs auf mehr als 1000 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn nun die Weltmarktführer der Branche zum Sturm auf Indiens Einzelhandel ansetzen, fürchten die traditionellen kleinen Ladenbesitzer um ihre Existenz. Vijay Kumar Jain, einer von ihnen, befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen, weil vielen der Kleinhändler dann nicht mehr mithalten können und ihre Läden schließen müssen.

Es sei denn, die Regierung würde diese Entwicklung doch noch in Teilen regulieren. Etwa so: Die ausländischen Investoren dürfen jeweils nur 51 % am Kapital halten und die Städte dürfen nur einen solchen Supermarkt auf eine Million Einwohner genehmigen. Die indischen Bundesstaaten müssen jedes Projekt genehigen und in den Supermärkten müssen mindesten 30% der Waren aus indischer Produktion stammen.

Wenn ale diese Vorgaben eingehalten werden, düften für die Masse der Bevölkerung unterhalb der Mittelschicht die Kiranas gleich nebenan noch lange der bevorzugte Einkaufsort bleiben.