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Portugiesen mit ihrer Leidensfähigkeit am Ende

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Portugiesen mit ihrer Leidensfähigkeit am Ende

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“Verschwinden aus Portugal. Auswandern”, stand auf einem der Transparente bei der größten Protestdemonstratrion seit dem Ende der Diktatur 1974. Deutsche Unternehmen profitieren längst von der Hoffnungslosigkeit der gut ausgebildeten jungen Portugiesen, die gleich nach dem Studium ihren Land den Rücken kehren. “Basta”, hallte es durch Lissabon. Die Leidensfähigkeit der vom deutschen Finanzminister als “Musterschüler” beim Sparen gelobten Portugiesen lässt sich nicht mehr steigern. Was Regierungschref Pedro Passos Coelho da für 2013 vorhatte, war selbst dem Staatsoberhaupt Anibal Cavaco Silva nicht geheuer.

Die erst vor einem Jahr ins Amt gekommene Mitte-Rechts-Regierung wollte die Sozialabgaben für Arbeitsnehmer von 11% auf 18% erhöhen und jene für die Arbeitgeber von 23,75% auf 18% senken. In realen Zahlen wären so zwei Milliarden Euro aus den Taschen der Arbeitsnehmer in jene der Arbeitsgeber umgeleitet worden. Dass man so Arbeitsplätze schaffen könnte glaubt niemand.

Bäckergehilfe Paulo Mourinha sagt, das helfe weder dem einen noch dem anderen. Er verliere so übers Jahr einen ganzen Monatslohn. Aber sein Boß habe zuwenig davon, um ihm den Lohn erhöhen zu können. So sieht das auch der Bäckereibesitzer Licino Guedes. Er hat längst ausgerechnet, was er dann mehr bekomme, reiche auf keinen Fall, um einen weiteren Gehilfen einzustellen. Dazu sei schon sein Steuersatz zu hoch. Die Portugieresen haben den Gürtel schon so viel enger geschnallt, dass nichts mehr geht. Feiertage und Weihnachtsgeld sind schon weitgehend gestrichen, dafür wurde die Mehrwertsteuer auf 23 % erhöht.

Pro Jahr wandern 150.000 zumeist gut qualifizierte junge Leute aus. Sehr zur Freude der deutschen Wirtschaft.